Tag 177-183 auf meiner Pilgerreise – KW44 (29.10.-04.11.18) – Teil1

Hallo ihr Lieben, KW44 ist rum und damit ist es wieder Zeit, euch von meinen Erlebnissen der zurückliegenden Woche zu berichten.

Hier die „Vollversion“ meines Blogs der KW44, jetzt auch mit meinen Erlebnissen von Sonntag, dem 04. November, meiner Einreise in die Türkei.

Highlights dieser Woche

  • Am Sonntag habe ich die Grenze zur Türkischen Republik passiert und pilgere die nächsten ~2.000 km durch die Türkei.
  • Meinem Schienbein geht es glücklicherweise wieder deutlich besser. Vielen Dank für die vielen guten Ratschläge, die ich von euch bekommen habe.
  • Ich habe auch diese Woche wieder neue, nette Menschen kennengelernt. Einer davon ist Strato aus Komotini.
  • Lucien aus Frankreich, den ich das erste Mal in Siena getroffen habe, ist am Samstag per Anhalter in die Türkei eingereist. Es lief völlig problemlos.

Diese Woche in ‚harten‘ Fakten

Bisher bin ich in den 26 Wochen insgesamt 3.472 km gelaufen, davon in dieser Woche 184 km.  (+331 km Transfer: 282 km Fähre, [223 km Fähre Bari-Durres, 59 km Fähre Athos und zurück]; 32 km Bus, [32 km Kavala-Philippi und zurück]; 17 km Taxi, [17 km bis zur Türkischen Grenze]).

Für meine mobilen Follower hier nochmal der Link:

https://drive.google.com/open?id=1C0u33JAEjZwFFMBMw4IckGaMj6b_mmrO&usp=sharing

Tag 177, Mo: Xanthi – Porto Lagos, 25 km

Heute liegen etwa 25 km vor mir, das Quartier habe ich gestern schon gebucht und habe einen Special Price von 25 EUR bekommen. Ich kann es also entspannt angehen und starte nach dem Frühstück, um 08:15 Uhr. Es sind zum Laufen angenehme 18 Grad, aber es regnet leicht. Ich ziehe meine Regenjacke an, kann sie aber bereits nach 2 km wieder ausziehen. Am Anfang habe ich Probleme mit meinem linken Sprunggelenk und der Wadenmuskulatur, die sich aber nach einiger Zeit verloren haben. Es scheint also wirklich, dass Laufen für mich die beste Medizin ist. Trotzdem bin ich vorsichtig und übertreibe es nicht. Ich laufe auf der Fernverkehrsstraße 2, der Via Egnatia, auf der ich schon seit Kavala laufe, weiter. Nach 15 km mache ich um 11:10 Uhr in Koutso eine zwanzigminütige Kaffeepause und setze dann meinen Weg auf den noch verbleibenden 10 km fort. Gegen 13:30 Uhr komme ich in Porto Lagos, in meinem heutigen Quartier an. Es ist sehr schön und die 35 jährige Quartiergeberin, die auch noch eine Familie mit Mann und 4 Kindern managen muss, ist sehr nett und gibt mir einige Hinweise für die nächsten Etappen. Auch stellt sie mir plötzlich einen Teller von ihrem Mittagessen hin. Ich bin überrascht und sehr erfreut. Am Nachmittag schaue ich mir den sehr kleinen Ort an und gehe in die Bar und trinke ein Bier. Dann gehe ich nacheinander in die beiden Mini-Märkte, die so ärmlich bestückt sind, dass ich außer zwei Tomaten nichts finde, was ich wirklich gebrauchen könnte. Durch die Zeitumstellung wird es schon bald dunkel und ich nutze den Abend, um die Etappen für die nächsten Tage zu planen. Es gestaltet sich als ziemlich schwierig, denn die Abstände zwischen größeren Ortschaften, wo es Hotels gibt, sind ziemlich groß, bzw. die Hotels sind nicht in Booking.com gelistet und ich muss in Google nach Hotels suchen. Ich habe aber jetzt für die nächsten 6 Etappen Hotels gefunden, allerdings alles im Bereich von mehr als 30 km. Ich hoffe, dass mein Schienbein mitspielt. Jetzt ist es 20:50 Uhr, ich habe eben noch kurz mit Iris telefoniert. Hier ist es dunkel und auch in meinem Zimmer ist es recht kühl, da ist der angenehmste Ort doch das Bett. Ich werde noch schnell meine Handies an die Steckdose hängen, meine Sachen für morgen schon ein bisschen zusammenpacken und mich dann bettfertig machen.

Tag 178, Di: Porto Lagos – Komotini, 32 km

Ich habe die Nacht gut geschlafen, werde zwischendrin immer mal wach und werde vom Wecker um 06:30 Uhr geweckt. Ich stehe auf, packe schnell meine Sachen, da hat alles seine Ordnung und seinen festen Platz. Dann frühstücke ich noch schnell auf meinem Zimmer und bin um 07:30 Uhr abmarschbereit. Es ist schon um 07:00 Uhr hell, sodass ich sogar noch eher hätte starten können. Es sind zum Laufen angenehme 18 Grad, aber der Himmel ist bewölkt und trübe, sodass ich meine Regenjacke in greifbare Nähe gepackt habe. Meine Quartiergeberin schenkt mir zum Abschied noch ein kleines Fläschchen Olivenöl aus eigenem Anbau. Ich laufe aus dem kleinen Ort, am Meer entlang und komme nach knapp 3 km an den Vistonida See, ein Vogelparadies und mitten im See ist das Kloster des Heiligen Nikolaus, eine Dependance des Klosters Vatopedi vom Berg Athos. Obwohl es noch sehr früh ist, kann ich über einen Holzsteg in die Klosteranlage hinein. Allerdings muss ich mir einen Umhang um die Beine binden, denn mit kurzen Hosen darf ich nicht in das Kloster. Es ist eine sehr schöne Anlage. Ich bin begeistert und halte mich auch daran, im Allerheiligsten keine Fotos zu machen. Ich zünde aber eine Kerze für meine Liebsten zu Hause an. Es ist unbeschreiblich, wie viele Vögel sich auf dem See befinden. Vom Kloster und später auch von der Straße aus habe ich einen guten Blick. Ich bin fasziniert und bedauere, dass ich kein Teleobjektiv habe, mit dem ich die Vögel noch näher heranholen kann. Aber selbst das, was ich so sehe ist schon überwältigend. Da sind Graureiher, weiße Reiher, Pelikane, Flamingos und und und. Ich muss mich richtig losreißen, um weiter in Richtung meines heutigen Tageszieles zu laufen. War die gestrige Strecke öde und langweilig, so ist die heutige interessant und abwechslungsreich. Es kommt auch noch dazu, dass heute eine ganze Menge PKW- und LKW-Fahrer unterwegs sind, die mich freundlich und anerkennend grüßen. Das motiviert natürlich gleich nochmal mehr. Nach etwa 10 km werde ich von einem Rennradler überholt und gefragt: „Where are you from?“ Als ich ihm antworte from Germany switcht er in ein akzentfreies Deutsch um und wir unterhalten uns eine kleine Weile. Er heißt Strato, wohnt in Komotini, meinem heutigen Ziel und ist in Deutschland aufgewachsen. Dann verabschieden wir uns, allerdings nicht ohne vorher ein obligatorisches Foto gemacht zu haben und ich gebe ihm auch noch meine Facebook- und meine Blogadresse und habe jetzt, da ich diese Zeilen schreibe bereits einen neuen Follower aus Komotini. Aufgrund der Hotelsituation und da ich nicht im Zelt übernachten will, laufe ich nicht am Meer entlang, sondern nach Nordosten, ein Stück ins Land hinein und komme in die Region Rhodopi mit ihren Bergen. Allerdings begleiten mich die Berge nur zu meiner Linken und ich fahre schön in der Ebene. Ich bin sehr froh, dass mein linkes Schienbein wieder so gut mitspielt und halte mich mit dem Schritttempo nach wie vor etwas zurück, um nichts zu provozieren. Ich laufe auf der Fernverkehrsstraße, der ich schon seit Kavala folge und sehe jetzt in regelmäßigem Abstand Schilder mit der Aufschrift „The Path of Virgin Mary“. Kann ja mit Sicherheit nicht verkehrt sein, auf diesem Pfad zu pilgern. Dann komme ich zum Nonnen-Kloster „Panagia Fandromeni Vathirriakos“. Zuerst laufe ich an dem Kloster vorbei, um kurz darauf doch noch abzubiegen und mir das Kloster anzuschsuen. Eine nette Schwester zeigt mir die Kirche und erzählt mir, dass das Kloster in den 1920iger Jahren gebaut wurde, seit 1995 20 Jahre leer gestanden hat und seit 2015 wieder von insgesamt 4 Nonnen bewirtschaftet wird. Zum Abschied schenkt sie mir noch zwei Flaschen Wasser und ich ziehe gut hydriert meines Weges, der für heute noch etwa 15 km lang ist. Wieder werde ich von einem Rennradler überholt, der aber nur kurz fragt, ob bei mir alles ok ist und ob ich genug Wasser habe. Auch das ist sehr nett und ich freue mich über die Fürsorge. Um 12:45 Uhr mache ich nach 25 km auf einer Bank an einer Kapelle eine kurze Rast und lege mein linkes Bein kurz mal etwas hoch. Es hat mir bisher keine Probleme gemacht und ich hoffe, das bleibt auch die letzten 7 km bis zu meinem heutigen Ziel so. Um 13:00 Uhr laufe ich weiter und bin kurz darauf am Ortseingang von Komotini. Bis ich im Zentrum bin vergeht noch eine kleine Weile und so erreiche ich schließlich um 14:10 Uhr, nach 32 km das Hotel Olympus, mein heutiges Ziel. Der Portier und ein sehr gut Englisch sprechender Grieche wollen mir erst nicht glauben, dass ich zu Fuß von Deutschland bis hierher gelaufen bin. Ich kann ihnen aber auf meinem Blog meinen Weg zeigen und als ich beim Benennen der Länder nicht Mazedonien, sondern Skopje-Republik sage, sind sie sehr erfreut und sagen mir, dass ich der erste Deutsche sei, der das so sagen würde. Es folgt ein fast einstündiges sehr intensives Gespräch über das Thema Mazedonien und was damit verbunden ist und auch über die wirtschaftliche Situation hier in Griechenland. Mein Gesprächspartner ist sehr gut informiert und spricht ein ausgezeichnetes Englisch. Wie sich später herausstellt leitet er den Vertrieb für Wasseraufbereitungsanlagen für ein Amerikanisches Unternehmen hier in Griechenland. Nach dem Duschen ruhe ich mich noch etwas aus und gehe dann in die Stadt. Es wird bereits dunkel, sodass ich nicht so viele Fotos machen kann. Komotini ist eine unwahrscheinlich lebendige Stadt. Durch ihre Universität hat sie viele Studenten, die das Stadtbild prägen und ein jugendliches Leben vermitteln. Das Stadtbild wird aber auch durch ein Minarett geprägt und eine ganze Anzahl von Frauen, die hier Kopftücher tragen. Ich vernehme Sätze in Türkischer Sprache und es ist unverkennbar, dass die Stadt von einem deutlichen Muslimischen Bevölkerungsanteil mitgeprägt wird. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Türkische Grenze ist ja nicht mehr allzuweit entfernt. Ich laufe noch etwas durch die Straßen und Gässchen der Altstadt und kehre dann in einer Ouzeria ein. Die Kellnerin bemüht sich, mir zu erklären, was sie alles im Angebot haben. Ich schlage ihr vor, dass sie mir was typisch griechisches zusammenstellen soll und mache noch den Zusatz, dass ich ziemlich hungrig sei. Das war vielleicht ein Fehler, denn ich sehe mich als einen guten Esser, aber was sie da auffährt, übersteigt selbst mein “Fassungsvermögen“ und ich muss leider einiges auf dem Teller lassen. Aber sehr lecker war es allemal. Dann trete ich meinen Rückweg an und bin kurze Zeit später in meinem sehr zentral gelegenen Hotel.

Tag 179, Mi: Komotini – Sapes, 29 km

Aufgrund des sehr üppigen Abendbrotes schlafe ich, fast schon erwartungsgemäß, sehr unruhig und werde immer wieder wach. Dafür fällt das Frühstück im Hotel entsprechend dürftig aus. Ich starte kurz vor 08:30 Uhr auf die heutige, etwa 30 km lange Etappe. Das besondere an der heutigen Etappe ist, dass ich nicht weiß, ob mein geplantes Quartier, das Hotel Dendraki in Sapes wirklich noch existiert. Auf jeden Fall war unter der im Internet angegebenen Telefonnummer eine Privatadresse. Mein Freund Anestis will heute von seinen Polizeikollegen in Sapes in Erfahrung bringen, ob es das Hotel noch gibt und mich dann per WhatsApp informieren. Ich laufe auch heute weiter auf der Fernverkehrsstraße 2, auf der ich schon seit Kavala unterwegs bin. Allerdings ist die heutige Strecke wieder wenig abwechslungsreich. Rechts und links der Straße sind große Baumwollfelder. Zwischenzeitlich habe ich von Anestis erfahren, dass es in Sapes ein Hotel gibt. Mehr konnten ihm seine Kollegen auch nicht sagen. Hier in der Nähe zur Türkei gibt es ganz unverkennbar eine größere Muslimische Bevölkerungsgruppe. Das ist zum einen an der Anzahl der Minarette, zum anderen an der gesprochenen Türkischen Sprache und den Frauen mit Kopftüchern erkennbar. Um 11:00 Uhr, nach 13 km, mache ich Kaffeepause an einer Tankstelle. Der Tankwart macht mir aus Nescafe Pulver und Wasser aus seiner Wasserflasche einen Kaffee. Dann stellt er mir sogar noch den Sonnenschirm auf, sehr nett. Auch er hat Verwandtschaft, die in Deutschland lebt. Um 11:10 Uhr geht’s weiter. Bald bin ich aus dem Dorf und zu meiner Rechten, in einem großen Garten steht ein älterer Mann, der mich interessiert anschaut. Ich glaube es ist ein Türke und begrüße ihn mit „Merhaba“, der Türkischen Entsprechung für „Guten Tag“. Ich habe recht mit meiner Vermutung und es entspinnt sich ein kurzes Gespräch, in dem ich ihm erzähle, dass ich von Frankfurt zu Fuß hierher gelaufen bin und dass ich nach Jerusalem gehen will. Er ist begeistert und will mir am liebsten gleich einen halben Sack Äpfel und Birnen als Wegzehrung mitgeben. Ich versuche ihm klar zu machen, dass das ja alles zusätzliches Gewicht ist. Aber zwei Hände voll Äpfel und Birnen konnte ich nicht verhindern und packe sie artig ein. Dann ziehe ich mit samt neuem Proviant meines Weges. Nach 20 km, um 12:30 Uhr, mache ich eine kurze Essenspause in einem Bushäuschen am Straßenrand. Ich merke mein linkes Schienbein ziemlich heftig. Nach einer Viertelstunde laufe ich weiter und nehme die letzten 9 km meiner heutigen Etappe in Angriff. Um 14:30 Uhr erreiche ich nach 29 km das auf einem Hügel etwas außerhalb des Dorfes gelegenes Hotel Dendraki und das was ich befürchtet habe, scheint sich zu bewahrheiten. Niemand ist da, keine Telefonnummer wo ich anrufen könnte oder ähnliches. Allerdings hängt auf einem der Balkons Wäsche. Ich rufe mehrmals „Hallo“, keine Reaktion. Bleibt mir also erstmal nichts anderes, als zu warten, ob jemand kommt. Ansonsten habe ich mir schon überlegt, dass wenn niemand kommt, hier auf der Rasenfläche vor dem Hotel mein Zelt aufzuschlagen, denn das nächste Hotel ist erst in Alexandroupolis, in knapp 40 km und das schaffe ich heute auf keinen Fall. Außerdem tut mir mein linkes Schienbein wieder ziemlich weh. Ich sitze also im spätnachmittäglichen Sonnenschein und warte, was passiert, als ein junger Mann mit Koffer schnurstracks auf den Hoteleingang zugeht. Ich denke mir, na mal sehen, was jetzt passiert und bin sehr erstaunt, als er einen Schlüssel herauszieht und die Hoteltür aufschließt. Ich laufe schnell zu ihm hin und er zeigt mir einen Zettel mit der Telefonnummer des Hotelbesitzers, der auf dem Tresen liegt. Ich rufe also dort an und der Hotelbesitzer sagt mir, dass das Hotel ausgebucht sei. Ich sage ihm, dass ich ein Fußpilger bin und schon vor der Hoteltür stehe. Kurze Zeit später ist der Hotelbesitzer da, richtet mir ein Zimmer her und eine Viertelstunde später habe ich mein Quartier für diese Nacht. Später, nachdem ich geduscht und mich etwas ausgeruht habe, gehe ich nochmal hinab ins Dorf und kaufe etwas zu Essen für das Abendbrot und für morgen zum Frühstück. Dann ist Feierabend für heute.

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