Tag 205-211 auf meiner Pilgerreise – KW48 (26.11.-02.12.18) – Teil1

Hallo ihr Lieben, KW48 ist fast rum und damit ist es wieder Zeit, euch von meinen Erlebnissen der zurückliegenden Woche zu berichten.

Highlights dieser Woche

  • Diese Woche habe ich die 4.000 km Marke überschritten.
  • Am 30. November bin ich bereits ein Jahr in der passiven Phase der Altersteilzeit. Wo ist die Zeit hin?
  • Diesen Sonntag ist 1. Advent und zu Hause öffnen die Weihnachtsmärkte mit Leckereien und Glühwein ihre Pforten. Hier in den muslimischen Landen ist davon nicht mal ansatzweise etwas zu spüren.
  • Am Freitag hat sich auch Lucien aus Frankreich, der ebenfalls zu Fuß nach Jerusalem unterwegs ist, wieder einmal gemeldet. Wir kennen uns seit Siena. Er ist dieses Wochenende in Ephesos.
  • Das Wetter war diese Woche fast ausschließlich trübe oder es hat geregnet. Es ist kalt und ungemütlich geworden.
  • Ich beziehe schon am Freitag mein Wochenendquartier in Salihili und bereite mich mental auf die kommende, schwere Woche vor, in der ich das Taurusgebirge überqueren werde und einige ‚Gewaltmärsche‘ vor mir habe, weil es keine Quartiere in gescheitem Abstand gibt.
  • Diese Woche besichtige ich zwei archeologisch und kulturhistorisch bedeutende Stätten: Akhisar, das antike Thyatira und Sardis, in der Nähe von Salihili. Beide Orte werden in der Offenbarungsgeschichte des Johannes erwähnt.

Weihnachtsgeschenk mit hilfreicher Nebenwirkung

In 4 Wochen ist Weihnachten und bald beginnt das neue Jahr.
Wäre da nicht ein Kalender 2019, mit Ingelheimer Motiven, des Fotografen Erhard Hess eine gute Ergänzung für den Gabentisch?
Herr Hess spendet 100% des Erlöses, den er pro Kalender erzielt, im Durchschnitt sind das etwa 1,20 EUR, zu Gunsten der DMSG! – Vielen Dank Herr Hess!
Der Kalender trägt den Titel „Neues Ingelheim“ und kann sowohl im Buchhandel, als auch in den einschlägigen Onlineshops bezogen werden.
Es gibt ihn in den Größen von A5 bis A2.
Wer sich den Kalender vorab schon mal anschauen möchte, findet ihn hier: http://www.ehess.de/Ingelheim/Kalender-Vorschau/Kalender-Vorschau%20PDF.pdf

Diese Woche in ‚harten‘ Fakten

Bisher bin ich in den 30 Wochen insgesamt 4.072 km gelaufen, davon in dieser Woche 151 km. +(934 km Transfer: 289 km Fähre, [223 km Fähre Bari-Durres, 59 km Fähre Athos und zurück, 7 km Fähre Dardanellen]; 628 km Bus, [32 km Kavala-Philippi und zurück, 61 km Çanakkale-Troja und zurück, 133 km Çanakkale-Alexandria Troas und zurück, 402 km Bergama-Ephesos und zurück]; 17 km Taxi, [17 km bis zur Türkischen Grenze]).

Für meine mobilen Follower hier nochmal der Link:

https://drive.google.com/open?id=1xcUpLTEyu5AHCY_N-QeX71-5a3CfsHMo&usp=sharing

Tag 205, Mo: Bergama – Soma, 36 km

Mein Wecker klingelt um 07:00 Uhr, ich bin zwar schon wach, warte aber, bis das Klingeln ertönt und stehe dann schnell auf. Heute geht es nach 4 Tagen Pause endlich wieder auf die Piste, meinem Pilgerziel, Jerusalem entgegen. Die Wettervorhersage bietet leider alles andere als Sonnenschein. Regenwahrscheinlichkeit 100% für die nächsten 5 Tage und das Schlimme, die Vorhersagen sind bisher immer auch eingetreten. Ich packe meine Sachen und gehe dann zum Frühstück. Bevor ich um 09:00 Uhr starte, ziehe ich gleich meine Regensachen an. Meine neuen Schuhe bekommen noch eine Schonfrist. Heute geht es in das knapp 40 km entfernte Soma, dort habe ich bereits im Ramada Hotel ein Zimmer reserviert. Doch bevor ich starten kann, muss ich noch für meine Quartiergeberin für ein Foto posieren. Ich erfülle ihr den Wunsch gerne. Dann geht’s los. Der Monowalker kommt mir vor, als hätte er an Gewicht zugenommen. Die Strecke ist eben und ich komme zügig voran, teilweise mit weniger als 10 Min/km. Es regnet einen feinen Landregen und es ist angenehm zu laufen. Nur an den Händen ist die kalte Nässe unangenehm. Ich erinnere mich an die bullig heißen Tage, an denen ich das Wasser gar nicht so schnell trinken konnte, wie ich es wieder herausgeschwitzt habe. Diese Tage sind spätestens seit Ende September vorbei. Ich erinnere mich noch an den letzten heißen Tag, es war der Tag, an dem ich auf den Berg Athos hinauf gegangen bin. Zum Laufen finde ich die jetzigen Temperaturen sogar angenehmer. Nach 28 km mache ich um 14:00 Uhr an einer Shell-Tankstelle eine kurze Rast. Nach einer halben Stunde laufe ich weiter. Leider hat der Regen mittlerweile so an Stärke zugenommen, dass die Regentropfen in den Pfützen Blasen bilden. Ich habe zwar gute Regensachen, aber irgendwie läuft mir der Regen doch in meine Regenhose rein und in die Schuhe sowieso, die sind pitschenass. Vor mir liegen noch etwa 8 km bis zu meinem heutigen Ziel. Was der Regen nicht schafft, mir an Nässe auf die Haut und ins Gesicht zu bringen, das schaffen die vorbeifahrenden LKW. Kurz vor meinem Ziel mache ich 15:45 Uhr, nach 35 km, nochmal an einer Köftebude Pause. Esse Köfte und trinke einen Tee. Es ist an der Straße, ein kleiner Lieferwagen, Zeltplane vor dem Wagen, 6 Tische mit kleinen Hockern, in der Mitte ein Kanonenofen, mit langem Ofenrohr und in 30 m Entfernung ein Stromaggregat, das munter knattert. Dann breche ich auf und sehe bald auch das Ramada Hotel vor mir. Um 16:30 Uhr erreiche ich mein heutiges Ziel nach 36 km. Ich habe ein schönes Zimmer und dusche erstmal ausgiebig und ziemlich heiß. Ich erkundige mich nach einem Laundry Service. Der ist erst morgen ab 08:00 Uhr wieder verfügbar. Das nützt mir nicht viel. Also wasche ich meine sowie schon pitschnassen Sachen mit der Hand. Anschließend gehe ich in die Bar, trinke ein Feierabendbier und schreibe meinen Blog. Auf meinem Weg haben heute wieder zwei Kleinlaster angehalten, die mich mitnehmen wollten und ein Traktorfahrer hat mir sogar angeboten, dass ich mich mit angeschnalltem Monowalker hinten auf die Schleppe stellen sollte, was ja dann doch ein bisschen ein Himmelfahrtskommando geworden wäre. Aber es ist schön, die Hilfsbereitschaft zu spüren, auch wenn ich alle die Angebote abgelehnt habe. Ich schiebe noch den Upload der Bilder und Videos von der letzten Woche in die Dropbox an, es sind fast 24 GB und hoffe, dass sie morgen zumindest zum Teil hochgeladen sind. Dann gehe ich nochmal ins Restaurant, was zum Abendbrot essen und anschließend mache ich mich an das Schneiden des Videos von Ephesos. Es ist nach Mitternacht, als ich damit fertig bin und das Video auf YouTube hochgeladen ist.

Tag 206, Di: Soma – Kırkağaç, 19 km

Ich habe die Nacht ganz gut geschlafen und lasse es ruhig angehen, denn heute liegen nur etwa 20 km vor mir. Das Ephesos-Video, das ich gestern auf YouTube hochgeladen habe, teile ich erstmal über Facebook, damit sich die Arbeit auch lohnt. Leider hat das Hotel den Dropbox-Upload geblockt, sodass keine meiner Dateien über Nacht in die Dropbox gesichert wurde. Dann gehe ich frühstücken. Entgegen der Wettervorhersage regnet es nicht und es ist deutlich wärmer geworden, als gestern. Ich gehe also in kurzer Hose, habe das Regenzeug aber für alle Fälle griffbereit. Ich packe meine Sachen zusammen und starte um 10:40 Uhr zu meiner heutigen Etappe, die etwa nach der Hälfte der Strecke ins Hügelige übergeht. Ich bekomme einen ersten Eindruck davon, was mich in den nächsten Tagen noch erwarten wird, wenn ich das Taurusgebirge überquere. Heute ist es sozusagen zum Eingewöhnen noch vergleichsweise wenig anstrengend. Zwischendrin muss ich dann doch mal anhalten und zumindest meine Regenjacke anziehen, denn es gibt einen kurzen Regenschauer. Kurz vor Kırkağaç laufe ich an einem großen militärischen Sperrgebiet vorbei und dann geht es auch gleich nach rechts, in den Ort. Ich komme an einer Post vorbei und kann endlich die Ansichtskarten, die ich seit Ephesos mit mir rumschleppe aufgeben. Um 14:10 Uhr bin ich schließlich nach 18 km in der Villa Pansıyon angekommen. Mit Villa hat die Pension wenig zu tun. Sie macht mir eher den Eindruck einer Rumpelbude, denn den eines Garni Hotels. Es ist ein sehr einfaches Hotel. Ich bin gespannt, wie die Zimmer aussehen. Der Besitzer scheint mit dem Eintragen der Daten aus meinem Pass in sein System überfordert zu sein, denn er ruft laufend jemanden an und es scheint mir, dass er sich Hilfe holt. Schließlich kommt auch eine Frau, die sogar ein paar Brocken Deutsch spricht. Dann bekommen mein Monowalker und ich ein Zimmer, das wohl früher mal ein Einkaufsgeschäft war, mit zwei Doppelstockbetten und einem einzelnen Bett zugewiesen. Bettwäsche ist Fehlanzeige. Aber es ist sauber. Ich werde wohl heute Nacht mal wieder in meinem Schlafsack schlafen, schleppe ich ihn wenigstens nicht nutzlos mit mir herum. Dann mache ich mich daran meine Strecke für morgen zu planen. Ich will morgen nach Akhisar laufen, das sind knapp 30 km. Mit Komoot lasse ich mir das Höhenprofil meiner Strecke anzeigen. Es sind ein paar Berge drin und das Rauf und Runter hält sich in etwa die Waage. Nachdem ich auch mein Hotel für morgen gebucht habe, mache ich mich auf, den Ort etwas in Augenschein zu nehmen. Was mir auffällt ist, dass es hier unglaublich viele Apotheken gibt. Teilweise sogar direkt nebeneinander. Auch gibt es eine ganze Menge von Läden, in denen militärische Ausstattung und Militärklamotten angeboten werden. Das was ich sehe erweckt in mir den Eindruck eines Ortes mit sehr dörflichen Charakters. Da ich ja morgen früh kein Frühstück in meiner Herberge bekomme, muss ich mir noch etwas für heute Abend und morgen früh kaufen. Ein Bier zum Abendbrot zu bekommen ist ein fast aussichtsloses Unterfangen. In einem Supermarkt bekomme ich es dann schließlich. Ich trete den Rückweg in mein Quartier an, schreibe meinen Blog und krieche beizeiten in meinen Schlafsack.

Tag 207, Mi: Kakağaç – Akhisar, 26 km

Ich werde heute Nacht gegen 03:30 Uhr wach und bin empört, was da nebenan für ein Radau gemacht wird. Ich mutmaße, dass da vielleicht ein Bäcker ist, der mit seinen Backformen rumhantiert, bis ich mitbekomme, dass das der Regen ist, der auf das Plastevordach niederprasselt und solchen Radau macht. Ich schlafe dann nochmal ein und werde kurz vor dem Weckerklingeln um 07:00 Uhr wach. Es regnet noch immer in Strömen. Ich habe weder Lust aufzustehen, geschweige denn, mich auf die heutige Etappe zu machen. Die Wettervorhersage sagt für 09:00 Uhr eine Regenwahrscheinlichkeit von „nur“ 80% voraus. Ich beschließe alles so zu timen, dass ich um 09:00 Uhr loskomme. Um 09:00 Uhr hört es tatsächlich auch mal kurz auf mit regnen, um kurz darauf wieder, um so heftiger, zu beginnen. Ich laufe auch heute wieder auf der D240 und schalte den mentalen Autopiloten ein, mit dem einzigen Ziel, so schnell wie möglich anzukommen und mich von dem Schei…wetter nicht zu sehr runter ziehen zu lassen. Die Strecke ist hügelig, lässt sich aber alles in allem ganz gut laufen und so komme ich zügig voran. Teilweise mit weniger als 10 Min/km. Gegen 12:00 Uhr mache ich nach 19 km an einer Tankstelle einen kurzen ‚Çay-Stopp‘ (Teepause), kaufe mir eine Tafel Schokolade, die ich auch gleich verzehre und setze nach einer Viertelstunde meinen Weg fort. Bis jetzt haben wieder zwei Kleintransporter angehalten und mir angeboten, mich mitzunehmen. Ich habe tapfer und dankend abgelehnt. Dann hält schließlich kurz vor dem Ortseingangsschild von Akhisar sogar ein Abschleppwagen, der mir ebenfalls anbietet, mich mitzunehmen. Auch bei ihm lehne ich dankend ab, mache aber ein Foto. Ich freue mich über die mir entgegengebrachte Hilfsbereitschaft. Ob die das wohl verstehen können, dass ich ihr Angebot ausschlage und stattdessen lieber bei Regen weiter zu Fuß laufe? Dann biege ich auf die Einfallstraße nach Akhisar ein und bereits nach 700 m kann ich auf der linken Seite das Palm City Hotel sehen. Es ist ein modernes Hotel und ich bin froh, dass ich nicht erst noch ewig suchen muss. Ich muss jetzt nur noch auf die gegenüberliegende Straßenseite kommen, die durch einen Mittelstreifen von meiner Seite getrennt ist. In 200 m Entfernung ist eine Ampel, da kann ich drehen und erreiche um 13:45 Uhr, nach 26 km mein heutiges Ziel. Ich habe ein schönes Zimmer, breite meine nassen Sachen erstmal zum Trocknen aus, bevor ich heiß duschen gehe. Dann lasse ich mir ein Taxi rufen, das mich die gut 2 km bis ins Stadtzentrum, zu der einzigen archäologischen Ausgrabungsstätte, einer Basilika aus dem 5. Jhd. bringt. Akhisar, das einstige Thyatira in Lydien, war in der Antike eine bedeutende Handelsstadt an der Straße von Pergamon (Bergama) nach Sardes (in der Nähe des heutigen Salihli). Thyatira war für seine Textilindustrie und Purpurfärberei bekannt. Die Purpurhändlerin Lydia, die erste Frau, die sich taufen lies, in Philippi, stammt aus dieser Stadt (Apostelgeschichte 16,14). Die Christen in Thyatira erhalten als vierte Gemeinde ein sogenanntes Sendschreiben von Johannes (Offenbarung 2,18–29). Nachdem ich die Ruinen der Basilika besichtigt habe, noch ein bisschen in der Stadt herumgelaufen bin und eine Portion Köfte gegessen habe, trete ich den Rückweg in mein Hotel an. Der Himmel hat sich wieder bedrohlich verfinstert und es sieht so aus, als dass es jede Minute zu regnen beginnt. Trockenen Fußes erreiche ich mein Hotel und versuche für morgen in Gölmarmara, in knapp 30 km Entfernung ein Quartier fest zu machen. Obwohl es laut Google dort mehrere Hotels gibt, kann ich keines erreichen. Auch der Rezeptionist hat keinen Erfolg. Ich bitte meinen Freund Abdurrahman in Deutschland, ob der mir vielleicht helfen kann, er hat mir ja schon mal geholfen, ein Quartier in einem ganz kleinen Ort zu bekommen, aber Abdurrahman hat heute Spätschicht und könnte sich erst danach darum kümmern. Da ist es hier bereits tiefste Nacht. Ich wende mich an Ergin, das ist der Hotelbesitzer, bei dem ich das Wochenende der KW46 verbracht habe. Wir sind noch immer locker über WhatsApp in Kontakt und er hat mir auch schon einige ganz hilfreiche Tipps gegeben. Er erklärt mir, dass viele der Hotels außerhalb der Saison geschlossen haben. Dann wendet er sich an einen Hotel-Agenten und dieser wiederum hat Kontakt zu einem Hotel in Gölmarmara, sodass ich kurze Zeit später die Hotelreservierung per WhatsApp bekomme. Jetzt bin ich doch deutlich beruhigter. Auch wenn ich sehr wahrscheinlich nicht hätte draußen schlafen müssen, bin ich über klare Verhältnisse immer sehr froh. Dann gehe ich noch kurz ins Hotelrestaurant, trinke dort ein Bier und gehe kurze Zeit später ins Bett.

Tag 208, Do: Akhisar – Gölmarmara, 27 km

Ich stehe um 07:30 Uhr auf, auch heute habe ich wieder gemäßigte, knappe 30 km, die eben sind, vor der Brust. Das Wetter ist trübe, aber es regnet nicht. Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen und tue die Regensachen griffbereit in den Rucksack. Ich will heute in langer Laufhose laufen, denn es ist gegenüber gestern doch deutlich kühler. Gerade, als ich starten will, fängt es leicht zu regnen an. Ich gehe zurück in die Hotellobby und ziehe meine Regensachen an und verpacke den Rucksack regengeschützt auf dem Monowalker. Um 09:15 Uhr bin ich dann schließlich so weit, dass ich mich auf die heutige Etappe begeben kann. Der Regen dauert nicht allzu lange, aber ich behalte den ganzen Tag meine Regensachen an. Heute habe ich das erstemal meine am Sonntag in Izmir gekauften neuen Schuhe an. Sie laufen sich ganz gut, nur muss ich noch an der Schnürung etwas verändern, dass insbesondere mein rechter Fuß im Vorfußbereich mehr Platz hat. Der Himmel ist den ganzen Tag bewölkt, aber hin und wieder schafft es die Sonne doch, sich durch einen Wolkenschleier hindurch, wenigstens zu zeigen. Und es ist schon beeindruckend, wie sich so ein bisschen Sonnenschein positiv auf meine Stimmung auswirkt. Die heutige Strecke ist leicht hügelig, lässt sich aber gut fahren, zumal der Wind aus Nordwest und damit mir in den Rücken bläst. Ich komme zügig voran und finde die Landschaft auch ganz abwechslungsreich. Neben Gebieten mit ausschließlich Olivenhainen gibt es auch hin und wieder Baumwollfelder oder Weinanbaugebiete. Ich nutze die Zeit, um wieder Türkische Vokabeln zu lernen, die ich mir zu Hause als MP3-Files gespeichert habe. Heute erhalte ich keine Angebote, mitgenommen zu werden, aber immer wieder grüßen mich vorbeifahrende Autofahrer. Kurz bevor ich nach 26 km den Ortseingang von Gölmarmara erreiche, hält ein Zivilauto neben mir und zwei Polizisten in Uniform fragen mich nach dem woher und wohin. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass sie mich kontrollieren wollen, sondern eher, dass sie mir helfen wollen. Nachdem ich ihnen auf Türkisch klargemacht habe, dass ich da vorne gleich in den Ort einbiegen und mein reserviertes Hotel suchen will, sind sie beruhigt und verabschieden sich von mir. Dann laufe ich auf der Hauptstraße, die stellenweise sehr holprig ist in den Ort und finde im Zentrum, nach 27 km, um 16:00 Uhr mein Hotel. Es ist alles offen, aber niemand da. An der Rezeption hängt ein Zettel mit einer Telefonnummer. Ich rufe die Nummer an und verständige mich immerhin soweit, dass der Hotelbesitzer weiß, wer da ist und sein baldiges Kommen zusagt. Es vergehen bestimmt 20 Minuten, bis er dann da ist. Ich nutze die Zeit, um mir schon für morgen ein Quartier zu suchen. Es gibt zwei Orte in der Nähe. Einmal Ahmetli mit etwa 25 km, aber hier kann ich kein Hotel finden und als andere Alternative das gut 40 km entfernte Salihili. Hier habe ich gleich mehrere Hotels zur Auswahl und reserviere ein Zimmer. Wahrscheinlich werde ich da auch mein Wochenende verbringen, aber das steht noch nicht endgültig fest. Dann ist der Hotelbesitzer auch da, zeigt mir mein Zimmer, das sehr ansprechend ist und trägt zusammen mit einem Gehilfen meinen Monowalker die engen und gewundenen Treppen zwei Etagen, in die Rezeption nach oben. Ich bin sehr froh. Nach dem Duschen will ich mich noch einmal auf den Weg machen, den Ort etwas zu erkunden, muss aber feststellen, dass es zwischenzeitlich in Strömen regnet. Wie gut, dass hier im Haus auch eine Lokanta (einfaches Restaurant) ist, wo ich was leckeres zu essen bekomme und ein Bier trinken kann. Danach telefoniere ich mit Iris, schreibe meinen Tagebucheintrag und plane meine Strecke für morgen.

Diese Straße wird per Helikopter und mit Dronen verkehrsüberwacht

Tag 209, Fr: Gölmarmara – Salihili, 42 km

Heute Morgen regnet es wenigstens nicht, als ich um 08:30 Uhr in einen kühlen Morgen fahre. Gölmarmara ist eine einzige Baustelle und die Verkehrsschilder führen teilweise ins Nirvana. So auch das, was mir die Richtung weist. Nach gut anderthalb Kilometern geht’s nicht mehr weiter. Also umdrehen und den ganzen Weg im Schlamm zurück. Dann bin ich endlich wieder auf der D550, die mich schon seit Mittwoch voran bringt. Heute kündigt sich das nächste Woche bevorstehende Taurusgebirge mit ersten Anstiegen an. Aber insgesamt würde ich die Strecke noch als leicht hügelig betrachten. Ich komme gut voran. Leider gibt es auf der ganzen Strecke weder eine Tankstelle, noch irgendein Rasthaus, sodass ich nach 30 durchgelaufenen Kilometern dann auf freier Strecke eine kurze Verschnaufpause einlege, zwei Müsliriegel und den Rest von der Schokolade esse. Als ich in den Straßengraben schaue, bin ich erstmal etwas erschrocken, weil da ein riesengroßes totes Wildschwein liegt. Ich kann nicht erkennen, ob es angefahren oder abgeschossen wurde, ist mir aber auch egal. Vor mir liegen noch 12 km. Dann, so nach 36 km muss ich von der Fernverkehrsstraße abbiegen und 6 km ins Hinterland laufen, bis ich nach Salihili und zu meinem Hotel komme. Diese 6 km muss ich am Montag erstmal wieder zurück laufen, bis ich auf die eigentliche Strecke komme. Heute wollen mich wieder zwei hilfsbereite Autofahrer mitnehmen. Einer davon ist ein Sattelauflieger für Kies udgl. Wie das gehen soll, weiß ich nicht, auf jeden Fall lehne ich beide Angebote dankend ab. Mein Hotel ist sehr komfortabel. Der türkische Besitzer hat 25 Jahre in Deutschland gelebt und spricht noch sehr gut Deutsch. Er freut sich, dass er in mir jemanden hat, bei dem er sein Deutsch anwenden kann. Nachdem ich geduscht habe, gehe ich erstmal ins Restaurant was essen und telefoniere dann mit Iris. Anschließend übertrage ich noch die Bilder von meiner Kamera auf mein Handy. Viele sind es nicht. Dann mache ich mich nach dem anstrengenden Tag so ganz langsam bettfertig.

 

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