Tag 268-274 auf meiner Pilgerreise – KW05 (28.01.-03.02.19) – Teil2

Hallo ihr Lieben, hier kommt Teil2 meines Blogs der KW05.

Tag 271, Do: Sightseeing in Haifa

Ich habe trotzdem, dass ich mir heute Nacht das Schlafquartier mit noch 5 weiteren Männern teilen musste, ganz gut geschlafen. Um 08:00 Uhr ist Frühstück, danach mache ich mich auf den Weg, Haifa zu besichtigen, ganz besonders den Tempel der Bahai. Den Shrine kann man individuell besichtigen, den Garten mit seinen 700 Stufen nur mit einer Führung. Ich besichtige zuerst das Karmelitenkloster Stella Maris und bete an der Eliasgrotte in der Karmelitenkirche. Dann gehe ich zurück zum Garten der Bahai, um an der 12:00 Uhr Führung teilzunehmen. Es ist ein wunderbarer Blick über die Stadt und den Hafen. Der Garten ist wunderschön angelegt. Mittag esse ich im Fattoush. Ich esse Mjdara, das ist eine Mischung aus Curryreis mit Linsen, gedünsteten Zwiebeln und dazu weißem Joghurt zum Druntermischen. Ich schaue mir Wadi Nisnas an und gehe durch die Deutsche Kolonie, dann wird es auch schon wieder Abend. Ich habe gestern noch die einzelnen Videosequenzen zu Filmen zusammengesetzt und auf YouTube hochgeladen. Heute schicke ich ein Update zum Blog der letzten Woche mit den Videos und den Erlebnissen vom Sonntag raus, telefoniere mit Iris und plane meine Strecke nach Nazareth für morgen.

Tag 272, Fr: Haifa- Nazareth, 40 km

Ich starte bei herrlichem Sonnenschein in Haifa und laufe durch Wadi Nisnas und Haifa Down Town in Richtung Südosten. Mein Weg führt mich ein kurzes Stück auf der Autobahn 22 entlang, um dann bis zu Kilometer 18 den Nationalstraßen 75 und 70 zu folgen. Ich rechne für heute mit einer wenig spektakulären Strecke, was sich zumindest für die ersten 20 km auch bestätigt. Da verlasse ich nämlich die Straße und folge dem Israel National Trail, der in meinem Navi auch als solcher eingezeichnet ist. Die Alternative wären noch weitere 20-25 langweilige Kilometer auf der Nationalstraße. Allerdings habe ich schon ein bisschen flaues Gefühl im Magen, nach meinen Erfahrungen von Montag, auf dem Weg nach Netanya. Zuerst ist der Weg gut ausgebaut und trocken. Eine Schulklasse macht in der Nähe Picknick und auch drei arabische Frauen haben sich auf einer Wiese am Wegesrand mit ihrem Essen zur Mahlzeit niedergelassen. Bald kommen dann die ersten großen Pfützen vom Regen der letzten Tage und eine ganze Anzahl von Quads und Geländewagen fahren den Weg entlang und tragen dazu bei, dass er zunehmend matschiger wird und ich immer mehr Probleme bekomme, um die Pfützen herum zu laufen, ohne auszurutschen oder nasse Füße zu bekommen. Dann führt der ausgezeichnete Weg am Wasser entlang, das aber durch den Regen der letzten Wochen so stark angestiegen ist, dass der Weg im Wasser entlang verläuft. Ich gehe ein Stück zurück und folge einem etwas höher gelegenen Weg. Ich kann zuschauen, wie die Fahrer der Geländewagen voller Freude ihre Gefährte durch das Wasser schicken und ein Stück Safari-Romantik vor der Haustür erleben, kurz bevor der Sabbat heute Abend beginnt. Dann geht auch mein Weg nicht mehr weiter und es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich gehe auch durchs Wasser oder ich laufe den ganzen Weg wieder zurück bis auf die Nationalstraße und folge ihr dann noch 25 km, also keine wirkliche Alternative. Ich ziehe also Schuhe, Strümpfe und Hose aus und ziehe meine Sandalen an, um festen Halt für meine Füße zu haben. Den Untergrund kann ich nicht sehen und weiß auch nicht, wie tief das Wasser hier ist. Ich entpacke den Monowalker und trage die Taschen separat ans andere Ufer, bis ich zum Schluss auch den Monowalker durchs Wasser fahre. An einigen Stellen reicht mir das Wasser fast bis an die Unterhose. Es hat schon etwas aufregendes und ist schon ganz schön abenteuerlich. Zum Glück rutsche ich nicht aus und vertrete mir auch nicht die Füße. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Fluss überquert, der Monowalker wieder beladen und ich zum Weitermarsch bereit. Allerdings wird mir die Dreiviertelstunde später dann fehlen. Ich werde von einem Polizeistreifenwagen überholt und nach dem woher und wohin gefragt. Der eine Polizist war auch schon mal in Deutschland. Wir haben ein kurzes, sehr nettes Gespräch. Dann geht es auf befestigten Straßen weiter in Richtung Nazareth. Noch etwa 12 km liegen vor mir und ich weiß, dass es in spätestens einer Stunde dunkel ist. Ich komme nach Givat Ela, einem jüdischen Dorf. Der Sabbat hat bereits begonnen und nur ein älterer Mann, der mit seinen zwei Hunden Gassi geht, ist auf der Straße. Später stellt sich heraus, dass der ältere Mann Jahrgang 1961, also drei Jahre jünger als ich ist. Wie sich doch die Relationen oder die Wahrnehmungen verschieben. Ich frage ihn nach dem Weg und das ist gut so, denn rund um das Dorf gibt es einige Gates, Streckmetalltore, die jetzt zum Sabbat geschlossen sind. Ich käme also gar nicht weiter in Richtung Nazareth. Er zeigt mir eine Stelle, wo der Weg nur mit einer Schranke abgesperrt ist, unter der der Monowalker gerade so durchpasst und unter der wir durchkrabbeln. Dann zeigt er mir den Weg zum arabischen Ilut, das keine 2 km entfernt im Tal liegt und Nazareth, das etwa noch in 6 km Entfernung auf dem Berg liegt. Ich bin dem Mann für seine Hilfe sehr dankbar und wir machen noch ein obligatorisches Foto. Er ist als junger Mensch, nach seiner Armeezeit durch Deutschland getrampt und kennt auch das Rhein-Main-Gebiet. Als ich in Ilut ankomme ist es stockdunkel. Ich mache erstmal das Rücklicht an meinen Monowalker, denn hier ist sehr viel Verkehr und teilweise fahren die Autofahrer wie die Wilden. Dann geht es den Berg nach Nazareth hinauf. Ich denke mal, dass die Steigung 12-15% beträgt. Ich bin völlig platt, als ich oben ankomme. In Nazareth geht es dann in mehreren Terrassen weiter den Berg hinauf. Ein paar Jungen, so 10-12 sprechen mich auf arabisch an. Dann kommt der Vater dazu und wir unterhalten uns in Englisch. Der Junge erzählt mir, dass er Bayern München liebe. Der Mann meint, dass er nur seine Frau lieben würde. Wir müssen beide lachen. Dann gibt er mir noch eine kleine Flasche Wasser für meinen weiteren Weg. Da die Flasche aber refilled ist, verzichte ich darauf, sie zu trinken und entsorge sie bei nächstbester Gelegenheit am Straßenrand. Ich bin bisher um einen Durchfall herumgekommen und das soll nach Möglichkeit auch für den Rest der Reise so bleiben. Kurz vor 19:00 Uhr komme ich dann in die schmalen Gassen der arabischen Altstadt und mir kommt ein israelisches Pärchen entgegen und fragt mich, wo ich hin wolle. Ich nenne ihnen den Namen meiner Unterkunft und sie rufen dort an, um genau zu erfahren, wo ich hin muss. Dann bringen sie mich noch fast bis an die Tür. Mein Navi hätte mir den Weg zwar auch gewiesen, aber ich bin wieder mal sehr erfreut und dankbar für die erfahrene Hilfsbereitschaft. Der Check-in erfolgt ohne Probleme und ich bekomme ein Bett in einem 8-Bettzimmer, allerdings im Doppelbett oben. Aber auch das stellt sich nach anfänglichen kurzen Bedenken als kein weiteres Problem heraus. Ich esse erstmal meine mitgebrachten Reste, denn außer dem Frühstück und einem letzten Müsliriegel aus der Türkei habe ich heute noch nichts weiter gegessen. Schließlich bestelle ich noch eine kleine Pizza, die mich zusammen mit 0,3l Bier 39 Schekel, also knapp 10€ kostet. Ich befürchte fast, dass mich der vergleichsweise kurze Israelaufenthalt genauso viel kosten wird, wie die 3 Monate Türkei. Hier im Fauzi Azar, Abrahams Hostel, sind einige Deutsche. Wir unterhalten uns noch eine Weile, bis ich so gegen 22:00 Uhr ins Bett gehe.

Tag 273 (Sa) und Tag 274 (So) berichte ich euch in Teil3, Anfang nächster Woche!

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