Tag 282-288 auf meiner Pilgerreise – KW07 (11.-17.02.19)

Hallo ihr Lieben, hier mein Bericht mit den Erlebnissen der Kalenderwoche 07/19.

Highlights dieser Woche

  • Am Dienstag, meinem 283. Pilgertag, erreiche ich Jerusalem.
  • Ich besuche die Grabeskirche.
  • Am Donnerstag fahre ich in den Kibbuz Samara, in der Nähe von Elat, Yuval und Mirit besuchen, die ich am Fuße des Großen St. Bernhard in der Schweiz kennengelernt habe.
  • Am Sonntag gehe ich zum Gottesdienst in die Benediktinische Dormitio Abtei und treffe dort Pater Zacharias, den einstigen Pfarrer Schmitz von St. Stephan in Mainz-Gonsenheim, der mir 1990 für über ein Jahr Quartier in seinem Pfarrhaus gewährt hat.
  • Ich besuche die jüdische Festung Masada, etwa 90 km südlich von Jerusalem.

Diese Woche in ‚harten‘ Fakten

Bisher bin ich in den 41 Wochen insgesamt 5.579 km gelaufen, davon in dieser Woche 72 km. +(2.091 km Transfer: 422 km Fähre, [223 km Bari-Durres, 59 km Athos und zurück, 7 km Dardanellen, 133 km Türkei-Zypern]; 796 km Bus, [32 km Kavala-Philippi und zurück, 61 km Çanakkale-Troja und zurück, 133 km Çanakkale-Alexandria Troas und zurück, 402 km Bergama-Ephesos und zurück, 22 km Pamukkale-Laodiceia und zurück, 20 km Gündoğdu-Side und zurück, 126 km Nikosia-Famagusta und zurück]; 119 km Taxi, [17 km bis zur Türkischen Grenze, 32 km Antalya-Perge und zurück, 50 km Gündoğdu-Aspendos und zurück, 20km Famagusta-Salamis und zurück]; 1.248km Leihwagen [359 km Antalya-Myra und zurück, 90 km Antalya-Termessos/Karainhöhle und zurück, 633 km Jerusalem – Samara, Elat – und zurück, Jerusalem – Masada und zurück]); 384 km Flugzeug [384 km Larnaka-Tel Aviv].

Für meine mobilen Follower hier nochmal der Link:

https://drive.google.com/open?id=1F7z3TkDr2nf5GQt3l85m2vMGIajEhdyo&usp=sharing

Tag 282, Mo: Kibbuz Sha’Alvim – Kibbuz Tzuba, 45 km

Ich habe die Nacht gut und erholsam geschlafen und werde sogar nachts wach, weil mir zu warm ist. Ich ziehe meine Daunenjacke aus.
Als ich um 06:00 Uhr, kurz vor dem Weckerklingeln wach werde, regnet es draußen noch, hört dann aber bald, wie vorhergesagt, mit regnen auf.
Ich merke, was ein guter Schlaf ausmacht, denn heute sieht die Welt schon wieder viel freundlicher aus, obwohl die Strecke keinen Meter kürzer geworden ist.
Ich esse den Rest Nudeln von gestern Abend, räume etwas auf und bin um 07:30 Uhr abmarschbereit.
In Sha’Alvim bin ich auf 193 m über dem Meeresspiegel und werde im Laufe des Tages, insbesondere innerhalb der letzten etwa 15 km auf 719 m hinaufsteigen.
Ich starte in einen kühlen angenehmen Morgen, der ein gutes Laufen verspricht und bin gut gelaunt. Der Frust von gestern ist mit dem Schlaf davongezogen.
Ich laufe vom Kibbuz Sha’Alvim hinab ins Tal, bis zur Fernstraße 3.
Im Kibbuz sehe ich, genau wie bei uns, Schülerlotsen, die in diesem kleinen Dorf dafür sorgen, dass die Kinder sicher über die Straße kommen, auch wenn hier kaum Verkehr herrscht.
Ich laufe entlang der Straße 3 und schaue nach 8 km wieder auf mein Navi, da bin ich bereits 3 km an der von Bernds Streckenführung vorgeschlagenen Abzweigung durch den Ayalon Nationalpark vorbei.
Was mache ich, laufe ich zurück, mit der Option auf Abkürzung oder laufe ich meine Strecke weiter?
Ich entscheide mich, die etwa 3 km zurück zu laufen und fahre dann auf einer Teerstraße durch den Nationalpark. Ich freue mich: Kürzere Strecke, kein Autoverkehr, schöne Landschaft. Was kann mir besseres passieren?
Leider führt die von Bernd geplante Strecke nach 2 km im Nationalpark dann doch von der Asphaltstraße ab und will einen schmalen Steig hinauf fahren, auf einem Weg, der obendrein noch gesperrt ist. Was ein Ärger und das, obwohl Bernd als Streckenoption „Rennrad“ eingegeben hat.
Ich mache das Beste draus und sage mir, dass ich in einer schönen, blühenden Landschaft unterwegs war. Alles andere hätte mich nur runtergezogen und mir sonst nichts gebracht. Allerdings ist damit jegliche, noch so geheime Hoffnung, es vielleicht heute doch bis Jerusalem zu schaffen, gestorben!
Ich fahre also die 5 km wieder zurück, bis ich an die Stelle komme, an der ich heute schon mal war.
Ist also nichts mit 6 km kürzer als meine Planung, sondern 10 km mehr!
Um 11:45 Uhr mache ich an der Tankstelle, die sich am Abzweig von der Fernstraße 3 auf die 44 befindet Mittagspause. Hinter mir liegen 18 km. Um 12:40 Uhr setze ich meinen Weg fort.
Um 14:30 Uhr sehe ich erstmals „Follow Jerusalem“. Was für ein erhebendes Gefühl!
Vor mir liegen noch etwa 14 km bis zum heutigen Ziel. Allerdings geht es jetzt auch tüchtig den Berg hinauf. Teilweise mit 10-15% Steigung.
Ich setze mir wieder Ziele, bis wohin ich es schaffen will, bevor ich mich ausruhe. Es sind meistens so 150-200 m.
Ich laufe auf schönen, wenig befahrenen, schmalen Straßen, im Licht der milden Abendsonne durch wunderschöne Landschaften.
Im Licht der letzten Sonnenstrahlen, es ist schon kühl an die Arme, in meinem T-Shirt geworden, erreiche ich um 17:35 Uhr nach 45 km schließlich das Tzuba Hotel im Kibbuz Tzuba und muss noch eine Weile warten, bis mir ein Zimmer hergerichtet ist.
Das Zimmer hat den stolzen Preis von 120€, aber es gibt keine Alternative.
Kurz vor 19:00 Uhr gehe ich noch schnell etwas zu essen kaufen in den Supermarkt des Kibbuzes, der um 19:00 Uhr schließt.
Dann gehe ich nach 5 Tagen endlich wieder mal so richtig schön heiß und ausgiebig duschen und genieße es ganz besonders.
Kurze Zeit später liege ich in einem angenehmen, warmen Bett.

2019_02_11_1280762.jpg2019_02_11_1280768.jpg2019_02_11_1280774.jpg2019_02_11_1280776.jpg2019_02_11_1280787.jpg2019_02_11_IMG_20190211_142505.jpg2019_02_11_1280792.jpg2019_02_11_1280794.jpg2019_02_11_1280796.jpg2019_02_11_1280807.jpg2019_02_11_1280813.jpg2019_02_11_1280815.jpg2019_02_11_1280820.jpg2019_02_11_1280829.jpg2019_02_11_1280831.jpg2019_02_11_1280832.jpg

Tag 283, Di: Kibbuz Tzuba – Jerusalem, 17 km

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute ziehe ich nach Jerusalem hinauf, in die Stadt König Davids. Noch 17 km liegen vor mir, bis zum Ende meiner Pilgerreise. Ich habe gut geschlafen und stehe um 07:30 Uhr auf, um in den Speisesaal, in dem alle Bewohner des Kibbuz und auch die Hotelgäste frühstücken zu gehen. Dann mache ich mich fertig, creme mir wohl das letzte Mal meine Füße mit „Gerlachs Gehwohl Fusskrem“ ein. Ich schaue mir meine Lowa-Schuhe an. Sie sind trotz mehrfacher Besohlung ziemlich abgelaufen und haben mit über 4.000 darin gelaufenen Kilometern ihren Dienst wahrlich mehr, als erfüllt. Dann mache mich fertig für diese, meine letzte Etappe auf meiner Pilgerreise nach Jerusalem.
Ich starte um 10:00 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein, dem Ereignis angemessen, im Kibbuz Tsuba auf 719m und werde heute, auf die Gesamtstrecke verteilt, nur noch geringfügige Steigungen, auf 754 m haben.
Nach 2 km treffe ich einen Rennradler, der mir, den Berg hinauf fahrend entgegen kommt. Er kennt Sigal aus Petah Tiqua, die mir das Quartier im Kibbuz Sha’Alvim besorgt hat und hat auch schon von mir gehört. Wir unterhalten uns kurz, dann zieht jeder seiner Wege.
Ich laufe durch eine herrliche Gegend, lasse die zurückliegenden 282 Tage in meinen Gedanken Revue passieren und bete.
Um 11:45 Uhr erreiche ich das Ortseingangsschild von Jerusalem. Ich glaube, so richtig kann ich es noch gar nicht fassen, dass ich an meinem Pilgerziel angekommen bin. Auf jeden Fall breche ich nicht in die große Euphorie aus, schreie oder führe Freudentänze auf. Ja, ich bin angekommen! Das freut mich und macht mich stolz. Und da ist dann aber auch die Frage: „Und jetzt?“ Nach 283 Tagen pilgern, zurück in den Alltag. Wie wird mir das gelingen?
Um 12:00 Uhr komme ich an der Franziskanerkirche vorbei und werde mit dem 12:00 Uhr Geläut begrüßt. Eine würdige Begrüßung für den Einzug eines Pilgers in die heilige Stadt.
Dann verlasse ich die Straße und folge dem Markovich Trail, der durch ein schönes Tal, unterhalb der Gedenkstätte Yad Vashem entlang führt. Ich treffe ein Paar, das hier im Jeep entlang fährt. Wir unterhalten uns und machen ein Foto. Anschließend fahre ich weiter das Tal entlang. Es ist eine herrliche Jahreszeit zum Pilgern. Alles grünt und blüht. Ich bin genau zur richtigen Jahreszeit in Israel unterwegs. Bald geht der Trail steil bergan, ich schnaufe ein letztes Mal den Berg hinauf, um wieder auf die Straße zurück zu kehren und rolle jetzt vom Herzl Berg hinab, in die Stadt hinein. Dabei treffe ich, kurz nach 13:00 Uhr, Joseph, mit dem ich auch ins Gespräch komme. Er erzählt mir, dass er mit dem Fahrrad auf dem Israel National Trail unterwegs war und dieses Jahr in Griechenland wandern will. Er fragt mich, ob man auf dem Monowalker auch schlafen könne, weil das mit dem Zelt für ihn immer so ein Problem auf seinen Fahrradtouren sei. Ich muss leider verneinen. Schließlich bietet er mir noch an, dass ich bei ihm übernachten könne. Bereits der Zweite hier in Israel, der mir bei sich Quartier anbietet. Ich bin sehr erfreut über die Gastfreundschaft, lehne aber dankend ab, da ich im Paulushaus bereits mein Quartier gebucht habe. Wir machen das obligatorische Foto und dann setze ich meinen Weg in das Stadtzentrum fort. Ich laufe in eine moderne Stadt und mache Foto- und Videoaufnahmen vom Jaffa Boulevard. Dabei komme ich mit Shayie, einem Juden aus New York, der hier in Jerusalem lebt ins Gespräch. Ich erzähle ihm, dass ich hier meine Pilgerreise beende. Er gratuliert mir zum Erreichen meines Pilgerziels und auch wir machen ein gemeinsames Foto. Dann passiere ich das Jaffa-Tor und suche das Christian Informationen Center, um mir einige Informationen zu holen, vor allem aber die „Compostela“ für Jerusalempilger in Empfang zu nehmen. Leider hat das dafür zuständige Pilgerbüro hier im Information Center schon geschlossen, sodass ich morgen nochmal hin muss. Danach geht es durch den Basar in der Altstadt in Richtung Damaskus-Tor und Paulushaus. Das ist schon ein bisschen nervig, mit meinem langen Monowalker-Gefährt durch die engen Gassen, an den Touristenmassen vorbei zu kommen. Aber schließlich habe ich es geschafft und klingel um 15:45 Uhr am Tor des Paulushauses. Den Nachmittag und frühen Abend verbringe ich mit Erstellen des Artikels für diesen Blog und für Facebook. Danach werde ich noch etwas essen und trinken gehen und wenigstens ein bisschen dieses für mich so bedeutende Ereignis würdig, aber allein zu feiern.

2019_02_121280834.jpg2019_02_121280835.jpg2019_02_121280842.jpg2019_02_121280839.jpg2019_02_121290003.jpg2019_02_121290012.jpg2019_02_121290007.jpg2019_02_121290013.jpg2019_02_121290017.jpg2019_02_121290020.jpg2019_02_121290026.jpg2019_02_12IMG_20190212_114601.jpg2019_02_121290034.jpg2019_02_121290037.jpg2019_02_121290038.jpg2019_02_121290049.jpg2019_02_121290052.jpg2019_02_121290064.jpg2019_02_121290062.jpg2019_02_121290070.jpg2019_02_121290075.jpg2019_02_121290080.jpg2019_02_121290082.jpg2019_02_121290084.jpg2019_02_121290085.jpg2019_02_121290088.jpg2019_02_121290090.jpg2019_02_121290094.jpg2019_02_121290095.jpg2019_02_121290097.jpg2019_02_121290100.jpg2019_02_121290101.jpg

Tag 284, Mi: In Jerusalem

Ist es noch ein Pilgertag oder ist es eigentlich schon Urlaub?
Aber ich hatte ja beschlossen, meine Pilgerreise erst offiziell mit der Begrüßung durch Pfarrer Schäfer am Damaskus-Tor zu beenden, also nächste Woche.
Die Reaktion auf meinen Facebook-, bzw. Blogpost ist überwältigend!
So viele gute Wünsche und Gratulationen, was ein schönes Gefühl!
Es ist schon interessant, dass mir ‚von außen‘ mehr gespiegelt wird, was ich da geleistet habe, als mir selbst bewußt ist!
Heute ist also der erste Tag, an dem ich nicht meine Sachen packen muss, weiterziehe und mir Gedanken um das nächste nächtliche Quartier machen muss. Heute kann ich es erstmalig zulassen, auszuruhen und auf meine Füße und Beine zu hören. Jetzt wo die Anspannung vorbei ist, melden sie sich deutlich zu Wort.
Ich hatte eh schon einen ziemlich breiten Fuß, der gefühlt oder vielleicht auch wirklich, durch die lange Strecke, noch breiter geworden ist. Außerdem gibt der Goretex-Schuh in der Breite nicht nach. Sodass mir besonders mein rechter Fuß im Zehenbereich die ganze Zeit schon schmerzt und ich seitlich am rechten kleinen Zeh ein Hühnerauge habe. Auch merke ich, dass mir der Monowalker-Gurt schon meine Nervenbahnen ganz schön gereizt hat. Ich spüre taube Stellen und ein Prickeln besonders im rechten vorderen Oberschenkelbereich.
Aber ich kann heute einfach mal liegenbleiben und habe keinen Druck!
Nur dass ich jetzt, in KW07, die Fotos und Videos der KW05 noch immer nicht vollständig in meine Dropbox hochgeladen habe und der Speicher auf meinem Handy knapp wird, sodass es die zum Hochladen erforderlichen Temp-Dateien nicht anlegen kann und mir die Dropbox dadurch abstürzt. Es hilft nichts, ich muss den Upload manuell in kleinen Häppchen anstoßen und immer wieder nachladen. Das geht bei der großen Menge der Dateien nicht mal eben schnell. Ich habe auch schon einen Teil der Fotos per OTG-Kabel und USB-Stick auf mein zweites Handy übertragen und von da aus in die Dropbox hochgeladen. Es sind dann auf jeden Fall noch jede Menge Bilder auf dem Fotoapparat, die ich noch gar nicht auf mein Handy übertragen habe.
Das sind so Dinge, die bei der mir zur Verfügung stehenden eingeschränkten Infrastruktur immer wieder Probleme bereiten und eine ganze Menge Zeit kosten!
Kurz nach 08:00 Uhr gehe ich frühstücken.
Ich bin völlig entwöhnt, auf einem Haufen so viele deutsche Stimmen zu hören. Anschließend gehe ich nochmal zum Christlichen Information Center, wo der Pilgerservice nur vormittags geöffnet ist, um mir meine Pilger-Urkunde abzuholen. Das klappt auch ohne irgendwelche Probleme. Danach mache ich mich auf den Weg zur Grabeskirche, die ich erst mit Umwegen finde. Es sind dort Himmel und Menschen. Ich setze mich in eine Ecke und bete und schließe auch die mit ein, die mich entlang meines Weges darum gebeten haben, für sie mit zu beten. Als ich aus der Grabeskirche herauskomme, merke ich erstmal, wie sehr mich diese lautstarke Menschenansammlung stresst. Ich bin offensichtlich durch mein langes Alleinlaufen zwischenzeitlich völlig entwöhnt und auch der Verkehrslärm ist damit nicht vergleichbar. Dann bummle ich durch die Stadt und lasse mich einfach treiben, in Richtung Yaffa-Strasse.

2019_02_13_1290113.jpg2019_02_14_1290153.jpg2019_02_13_1290114.jpg2019_02_13_1290115.jpg2019_02_13_1290116.jpg2019_02_13_1290119.jpg2019_02_13_1290121.jpg2019_02_13_1290123.jpg2019_02_13_1290124.jpg2019_02_13_1290126.jpg2019_02_13_1290129.jpg2019_02_13_1290131.jpg2019_02_13_1290132.jpg2019_02_13_1290135.jpg2019_02_13_1290136.jpg2019_02_13_1290137.jpg2019_02_13_1290138.jpg2019_02_13_1290141.jpg2019_02_13_1290142.jpg2019_02_13_1290143.jpg2019_02_13_1290145.jpg2019_02_13_1290147.jpg2019_02_13_1290151.jpg

Tag 285, Do: Jerusalem – Kibbuz Samar, in der Nähe von Elat, am Golf von Akaba, 204 km

Ich stehe so gegen 07:30 Uhr auf und packe nach dem Frühstück die Sachen, die ich für die nächsten 3 Tage brauche in meinen Rucksack. Vor allem Reserveakku für meine Kamera, Stative, Powerbank und diverse Ladekabel. Das andere verteile ich auf meine beiden Monowalkerpacktaschen, die ich für die nächsten Tage hier im Paulushaus deponieren kann und verlasse das Paulushaus so gegen 09:30 Uhr in Richtung Budget-Autovermietung, die sich in der Nähe des Jaffa-Tores befindet. Es ist einiger Betrieb. Schließlich bin ich um 11:15 Uhr soweit, dass ich zu Mirit und Yuval, in Richtung Elat starten kann.
Nachdem ich das Stadtzentrum verlassen habe, geht es zunächst ein Stück auf der Autobahn A1 entlang an eingezäunten Palestinensersiedlungen, in hässlichem Hochhaus-Neubaustil vorbei, bis ich mehr und mehr in die Wüste komme und nur noch bizarre Felsformationen sehe, die mich sehr faszinieren. Dabei führt die Straße innerhalb weniger Kilometer von über 700 m.ü.M. auf unter den Meeresspiegel hinab. Ich habe einen dumpfen Druck auf den Ohren. Ich mache, soweit das möglich ist, während des Fahrens Fotos und habe bald zu meiner Linken das Tote Meer.
Um 13:00 Uhr erreiche ich nach knapp 80 km die wasserreiche Oase En Gedi, mit ihrem ausgedehnten Nationalpark.
Hier mache ich einen Zwischenstopp auf meinem knapp 300 km langen Weg zu Mirit und Yuval, die im Kibbuz Samar, in Hevel Eilot, etwa 30 km nördlich von Elat zu Hause sind und wandere durch das Wadi David.
Dabei muss ich an einigen schmalen Wegstellen einige Wartezeit wegen der mir entgegenkommenden anderen Touristen in Kauf nehmen.
An einigen Stellen ist der Weg etwas ausgesetzt und mit Drahtseilen gesichert. Hier kommt der eine oder andere Tourist an seine Grenzen und muss von seinen Mitstreitern unter gutem Zureden, zurück bergab, entlang geführt werden.
An einer Stelle fragt mich ein Jugendlicher, ob er von mir ein Foto machen soll. Ich bin sehr erfreut und gebe ihm meine Kamera. Leider ist der junge Mann etwas linkisch in seinen Bewegungen und lässt sie mit ausgefahrenem Objektiv fallen. Zum Glück passiert nichts ernsthaftes. Wir sind beide sehr erschrocken.
Dann steige ich weiter bergan, vorbei am unteren und oberen Davids-Wasserfall und gehe in leichter Klettertour zur Dudim Höhle. Hier muss ich dann allerdings über Eisentritte hinabsteigen, was mir schon ein bisschen Selbstüberwindung abverlangt. Es gelingt mir aber gut und ich bin froh, dass ich es gemacht habe und komme zu einer landschaftlich sehr reizvollen Höhle.
Anschließend gehe ich noch ein Stück weiter bergauf und komme zu den Überresten eines prähistorischen Tempels aus der Zeit um etwa 5.000 vor Christus. Als letztes laufe ich zur En Gedi Quelle, die dem ganzen Gebiet den Namen verleiht und zusammen mit drei weiteren Quellen für den Wasserreichtum in diesem Gebiet sorgt.
Dann wird es Zeit, den Rückweg anzutreten, denn es ist bereits 15:30 Uhr und ich will vor meiner Weiterfahrt noch schnell die historischen Überreste einer antiken Synagoge besichtigen, deren Zugang um 16:00 Uhr geschlossen wird. Ich komme aber noch rechtzeitig und treffe auf eine oder vielleicht auch mehrere Schulklassen, die nicht anders, als bei uns auch, sich lautstark unterhalten und über Absperrungen hinweg klettern. Dann werden sie von ihrem Lehrer zur Ordnung gerufen und beten von den ausgeteilten Zetteln wohl Verse aus der Thora, die ich nicht verstehe.
Ich trete meinen Rückweg zum Auto an und nehme die noch verbleibenden etwa 200 km in Angriff.
Das Wadi Arugot und die Festung Masada werde ich vielleicht auf meinem Rückweg am Sonntag noch besuchen. Unterwegs sehe ich ein junges Tramperpärchen am Straßenrand den Daumen hebend stehen. Ich fahre vorbei, um kurze Zeit später nochmal umzukehren und sie für gut 150 km mitzunehmen. Ich habe selbst auf meiner Pilgerreise so viel Hilfe und Unterstützung erfahren, da ist es mehr als recht und billig, dass ich davon etwas weitergebe!
Die beiden kommen aus der Slowakei, wollen nach Elat und von da aus den Heimflug antreten.
Um 17:30 Uhr bin ich schließlich am Gate des Kibbuzes. Zwischenzeitlich ist es dunkel geworden und das Gate ist geschlossen. Ich will gerade bei den beiden anrufen, als neben mir ein Auto hält und ich gefragt werde, wo ich hin wolle. Dann werde ich aufgefordert dem Wagen zu folgen und von dem Kibbuzbewohner bis zur Haustür von Yuval und Mirit gebracht.
Die beiden hatten wohl gerade von mir gesprochen und waren nicht schlecht überrascht, als es plötzlich klopft und ich vor ihnen stehe.
Das erste was sie mir sagen ist, dass ich herzlich willkommen sei und mich wie zu Hause fühlen solle. Was eine schöne Begrüßung. Dann sagen sie mir noch, dass es bei ihnen nur eine Regel gibt, nämlich dass es keine Regeln gibt. Das klingt mir ein bisschen nach Anarchie, aber ich lasse es einfach mal so stehen. Später gehen wir dann in den Speisesaal des Kibbuzes, wo sich die meisten Kibbuzbewohner zu den Mahlzeiten treffen. Anschließend unterhalten wir uns noch eine ganze Weile bei ihnen zu Hause über das Leben im Kibbuz. Ich kann mir bei vielem nicht vorstellen, wie das funktionieren soll, aber es tut es wohl. Dann zeigt mir Yuval das Jahrgangsbuch 1970 der Stadt Krefeld. Dort findet sich ein Artikel über das jüdische Leben in der Stadt und dort sind auch seine Großeltern erwähnt, die Deutschland glücklicherweise schon vor Beginn des Holocausts nach Palestina verlassen haben. Er hat etwas Ahnenforschung betrieben und zeigt mir den Stammbaum seiner Familie. Dann wird es langsam Zeit ins Bett zu gehen.

2019_02_14_1290154.jpg2019_02_14_1290156.jpg2019_02_14_1290159.jpg2019_02_14_1290162.jpg2019_02_14_1290172.jpg2019_02_14_1290174.jpg2019_02_14_1290181.jpg2019_02_14_1290185.jpg2019_02_14_1290207.jpg2019_02_14_1290208.jpg2019_02_14_1290210.jpg2019_02_14_1290211.jpg2019_02_14_1290212.jpg2019_02_14_1290216.jpg2019_02_14_1290221.jpg2019_02_14_1290223.jpg2019_02_14_1290227.jpg2019_02_14_1290231.jpg2019_02_14_1290233.jpg2019_02_14_1290236.jpg2019_02_14_1290242.jpg2019_02_14_1290243.jpg2019_02_14_1290249.jpg2019_02_14_1290265.jpg2019_02_14_1290269.jpg2019_02_14_1290272.jpg2019_02_14_1290276.jpg2019_02_14_1290280.jpg2019_02_14_1290278.jpg2019_02_14_1290281.jpg2019_02_14_1290287.jpg2019_02_14_1290294.jpg2019_02_14_1290302.jpg2019_02_14_1290303.jpg2019_02_14_1290304.jpg2019_02_14_1290306.jpg2019_02_14_1290311.jpg2019_02_14_1290314.jpg2019_02_14_1290320.jpg2019_02_14_1290326.jpg2019_02_14_1290328.jpg2019_02_14_1290330.jpg2019_02_14_1290331.jpg2019_02_14_1290332.jpg2019_02_14_1290336.jpg2019_02_14_1290338.jpg2019_02_14_1290339.jpg2019_02_14_1290341.jpg2019_02_14_1290310.jpg2019_02_14_1290348.jpg2019_02_14_1290350.jpg2019_02_14_1290353.jpg2019_02_14_1290354.jpg2019_02_14_1290356.jpg2019_02_14_1290369.jpg2019_02_14_1290371.jpg2019_02_14_1290378.jpg2019_02_14_1290385.jpg2019_02_14_1290386.jpg2019_02_14_1290390.jpg2019_02_14_1290393.jpg2019_02_14_1290395.jpg2019_02_14_1290398.jpg2019_02_14_1290399.jpg2019_02_14_1290400.jpg2019_02_14_1290403.jpg2019_02_14_1290405.jpg2019_02_14_1290411.jpg2019_02_14_1290414.jpg

Tag 286, Fr: Im Kibbuz Samara und am Golf von Akaba, in Elat

Ich stehe um 06:20 Uhr auf, denn wir haben gestern Abend vereinbart, dass ich heute früh um 07:00 Uhr mit Mirit in die Palmplantage fahre und wir mit einem Hubwagen bis zu den Kronen der Dattelpalmen hinauf fahren, um den Zustand der Bäume zu kontrollieren und ich dabei einen tollen Rundblick über die Umgebung bekomme.
Nach dem Frühstück fahren wir um kurz nach 07:00 Uhr los. Das mit dem Hubwagen klappt heute leider nicht, weil irgendjemand vergessen hat, den Akku an den Strom, zum Aufladen, anzuschließen, aber auch das, was sie mir sonst zeigt und erklärt ist für mich sehr interessant.
Sie muss heute noch zu einem Treffen in den Norden Israels, sodass unser Ausflug nur kurz ausfällt.
Den Vormittag verbringe ich mit einem Spaziergang in der Wüste und dem Nachtragen meines Tagebuches.
Zum Mittag gibt es in dem Gemeinschaftsspeisesaal Humus.
Anschließend mache ich mich mit dem Auto auf den Weg nach Eilat. Ich fahre an dem Grenzübergang nach Jordanien vorbei. Jordanien und Ägypten sind die beiden Länder hier in der Region, zwischen denen und Israel ein Friedensabkommen besteht. Dann fahre ich an den Strand des Golfes von Akaba, setze mich in ein Café, lasse mich von der Sonne bescheinen, schreibe meine Grußkarten an die Lieben zu Hause und genieße das Rauschen des Meeres.
Der Sonnenuntergang ist nicht so spektakulär, wie erwartet. Die Felsen auf der Jordanischen Seite werden zwar von der Sonne angestrahlt, erscheinen aber nicht so feuerrot, wie vorhergesagt.
Ich fahre zurück zum Kibbuz und bin gegen 17:30 Uhr wieder zurück.
Wir wollen so gegen 18:30 Uhr zum Familientreffen am Sabbatbeginn zu Yuvals Bruder gehen. Es ist ganz nett bei Yuvals Bruder, auch Mirits Schwester mit ihrem Mann und einige Kinder sind da. Wir unterhalten uns partiell in Englisch, viel wird aber in Hebrew gesprochen, bis Yuvals Nichte darauf hinweist, dass das mir gegenüber unhöflich wäre. Sie singen 1-2 Lieder und auch, wenn sie sich nicht als religiöse Juden bezeichnen, feiern sie doch Sabbatbeginn. Es gibt etwas Wein zu trinken. Dann gehen wir in den Gemeinschaftsspeisesaal und essen dort Abendbrot. Es ist heute voller, als gestern. Wir setzen uns zu zwei Frauen an den Tisch, weil kein freier Tisch mehr vorhanden ist. Yuval erzählt ihnen, dass ich von Deutschland hierher gelaufen bin. Sie können es kaum fassen und die eine holt ihren Sohn, der in Mexiko irgendeinen Trail gelaufen ist. Wir unterhalten uns noch etwas und fachsimpeln. Dann gehen wir zurück zu Yuvals Haus und um 22:00 Uhr liege ich im Bett.

2019_02_15_1290418.jpg2019_02_15_1290419.jpg2019_02_15_1290439.jpg2019_02_15_1290441.jpg2019_02_15_1290442.jpg2019_02_15_1290489.jpg2019_02_15_1290494.jpg2019_02_15_1290495.jpg2019_02_15_1290497.jpg2019_02_15_1290498.jpg2019_02_15_1290500.jpg2019_02_15_1290503.jpg2019_02_15_IMG_20190215_132343.jpg2019_02_15_1290522.jpg2019_02_15_1290523.jpg2019_02_15_1290524.jpg2019_02_15_1290513.jpg2019_02_15_1290529.jpg2019_02_15_1290528.jpg2019_02_15_1290530.jpg

2019_02_15_1290422.jpg2019_02_15_1290425.jpg2019_02_15_1290428.jpg2019_02_15_1290429.jpg2019_02_15_1290432.jpg2019_02_15_1290434.jpg2019_02_15_1290435.jpg

2019_02_15_1290458.jpg2019_02_15_1290460.jpg2019_02_15_1290468.jpg2019_02_15_1290475.jpg2019_02_15_1290473.jpg2019_02_15_1290488.jpg

2019_02_15_1290531.jpg2019_02_15_1290533.jpg2019_02_15_1290534.jpg2019_02_15_1290539.jpg2019_02_15_1290540.jpg2019_02_15_1290543.jpg2019_02_15_1290547.jpg

Tag 287, Sa: Rückfahrt nach Jerusalem, 294 km

Es hat heute Nacht ein kleines bisschen geregnet. Ein hier in der Wüste höchst seltenes Ereignis, denn insgesamt fallen hier pro Jahr nicht mehr, als maximal 2,5 cm Niederschlag.
Ich bin mit Yuval für 08:00 Uhr zum Frühstück verabredet und als ich aus meinem Gastzimmer, dem Zimmer ihrer Tochter, die sich gerade in Indien aufhält, runter komme, ist der Tisch auch schon gedeckt und Yuval wartet bereits auf mich.
Nach dem Frühstück setzen wir uns auf das kleine Elektromobil und Yuval zeigt mir den Kibbuz. Zuerst den inneren Bereich, wo sich der Kern des ursprünglichen Kibbuzes befindet, dann die neu hinzugekommenen Häuser. Anschließend fahren wir in den Außenbereich wo sich die Werkstätten und die Stallungen für die über 400 Milchkühe befinden. Er zeigt mir voller Stolz die computergestützte Aufzucht der Kälber, die basierend auf einem Chip im Ohr identifiziert und dann individuell mit Futter versorgt werden. Durch diese Datenerfassung haben sie zu jeder Zeit aktuelle Informationen zur Gesundheit und dem Allgemeinbefinden einer jeden Kuh. Das Futter für die Tiere muss im Norden Israels eingekauft werden, weil hier in der Wüste natürlich nichts wächst. Aber auch die Futtermischung und das Einstreuen erfolgt vollautomatisch. Danach fahren wir weiter in den Bereich der Werkstätten. Hier gibt es eine ganze Menge Eigenentwicklungen von Maschinen, die das Ernten der Datteln deutlich erleichtern. Auch übernimmt der Kibbuz Computerdienstleistungen für Unternehmen und wissenschaftliche Institute. Ich bin überrascht, was in diesem Kibbuz, mit seinen gut 100 Bewohnern für eine wirtschaftliche Power steckt.
Um 11:00 Uhr starte ich meinen Rückweg in Richtung Jerusalem. Ich lasse es langsam angehen und sehe bei der Rückfahrt die bisweilen skurrile Felslandschaft nochmal aus einer anderen Perspektive.
Um 14:15 Uhr mache ich Rast am Toten Meer. Hier ist die Temperatur 22 Grad, also 7 Grad wärmer, als in Samara. Es gibt jede Menge Shops, die Produkte mit Salz aus dem Toten Meer anbieten. Ich will für Iris und Martin ein kleines Geschenk mitnehmen und bin frustriert, weil ich bei der großen Auswahl und den teilweise saftigen Preisen nicht weiß, was ich nehmen soll.
Schließlich finde ich doch etwas, trinke noch einen Kaffee und setze dann meinen Weg fort.
Gegen 18:00 Uhr bin ich wieder in Jerusalem.
Mit der Zufahrt zum Paulushaus gibt es erst Schwierigkeiten. Das Paulushaus hatte wohl das polizeiliche Kennzeichen meines Leihwagens an die Zufahrtstelle gemeldet, aber irgendetwas hat da wohl nicht so recht geklappt, denn als ich an der Haltelinie stehe, an der die Kamera mein Kennzeichen erfasst, tut sich nichts. Die Poller gehen nicht runter. Ich rufe im Paulushaus an und die wiederum setzen sich mit der Verkehrszentrale in Verbindung. Das Ganze dauert eine kleine Weile. Zwischenzeitlich bin ich zum Verkehrshindernis geworden. Ein Bus kommt nicht an mir vorbei und die sich dahinter stauenden Autos veranstalten ein Hupkonzert. Ich fahre erstmal zur Seite und lasse den Verkehr an der Hauptstraße durch. Dann fahre ich erneut vor die Haltelinie zur Kameraerkennung und stehe mit der hinteren Hälfte des Autos wieder im fließenden Verkehr. Aber diesmal klappt es. Die Poller gehen runter und ich kann in die Fußgängerzone einfahren und stehe wenige Augenblicke später im Hof des Paulushauses. Abends gehe ich dann noch eine Kleinigkeit essen und liege nicht zu spät im Bett.

2019_02_16_1290562.jpg2019_02_16_1290569.jpg2019_02_16_1290568.jpg2019_02_16_1290564.jpg2019_02_16_1290560.jpg2019_02_16_1290558.jpg2019_02_16_1290570.jpg

2019_02_16_1290573.jpg2019_02_16_1290584.jpg2019_02_16_1290627.jpg2019_02_16_1290635.jpg2019_02_16_1290648.jpg2019_02_16_1290652.jpg2019_02_16_1290653.jpg2019_02_16_1290656.jpg2019_02_16_1290657.jpg2019_02_16_1290733.jpg

Tag 288, So: Wieder in Jerusalem und Besichtigung der Festung Masada

Ich war die Nacht ein paarmal wach, schlafe dann aber nochmal tief und fest ein und werde erst um 08:30 Uhr wach. Ich muss mich ein bisschen mit allem beeilen, denn ich will um 10:00 Uhr zum Gottesdienst in der Dormitio Abtei sein.
Ich laufe um die Altstadt außen rum, das erscheint mir schneller zu gehen, als durch den Trubel, der im Basar herrscht. Am Jaffa-Tor gehe ich dann in die Altstadt, treffe Ari den deutschsprechenden Stadtführer, mit dem ich diese Woche zu Mittag gegessen habe. Wir begrüßen uns kurz und dann setze ich meinen Weg fort.
Kurz vor 10:00 Uhr bin ich an der Dormitio Abtei und muss dem Aufsichtspersonal erstmal sagen, dass ich zum Gottesdienst will, denn Touristen lassen sie aktuell nicht hinein.
Die Kirche ist gut besucht, trotzdem finde ich einen schönen Platz in der vierten Reihe und bekomme auch ein Gesangbuch. Bis zum Beginn des Gottesdienstes bleibt noch etwas Zeit. Genug, um mich in der Kirche umzuschauen und mich an der Schönheit des Ortes zu erfreuen. Dann ist es auch schon soweit.
Der Gottesdienst beginnt mit dem Einzug der Priester und Ordensleute und ich glaube unter den Ordensleuten Pater Zacharias zu erkennen.
Pater Zacharias war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Pfarrer Schmitz und Priester in St. Stephan in Mainz-Gonsenheim.
Bei ihm habe ich 1990 für ein Jahr Quartier im Pfarrhaus gefunden und bin ihm dafür sehr dankbar.
Nach seiner Pensionierung ist er nach Israel gegangen und hier als Mönch in den Benediktinerorden eingetreten.
Der Gottesdienst ist sehr feierlich und ich bin sehr froh, nach langer Zeit wieder mal an der Heiligen Kommunion teilnehmen zu können.
Nach dem Gottesdienst klopfe ich an der Sakristei und lasse Pater Zacharias rufen, der kurze Zeit später zu mir heraus kommt. Ich freue mich sehr, den zwischenzeitlich Anfang/Mitte 80-jährigen Priester noch so fit und rüstig zu erleben. Auch er freut sich, nachdem er kurz überlegen musste, um mich richtig zuzuordnen. Immerhin sind seit dem fast 30 Jahre vergangen. Wir unterhalten uns kurz und sehr herzlich, dann verabschiede ich mich von ihm. Ob ich ihn noch einmal wiedersehen werde?
Anschließend gehe ich durch den Basar zurück zum Paulushaus, kaufe mir unterwegs zum Mittag noch zwei Bananen und mache mich dann, mit dem Mietwagen, den ich bis morgen 11:00 Uhr habe, auf den Weg die Festung Masada, etwa 90 km südlich von Jerusalem, am Südwestende des Toten Meer zu besuchen.
Wieder fahre ich von Jerusalem steil den Berg hinab, auf 300 m unter den Meeresspiegel, wieder spüre ich den Druck in den Ohren und bin schließlich um13:45 Uhr am Fuße des Felsens, auf dem die Festung Masada liegt.
Da die Festungsanlage um 16:00 Uhr schon schließt, war es mir nicht mehr erlaubt, die gut 300 Höhenmeter bis zur Festung, auf dem Schlangenpfad zu überwinden und zu Fuß hinauf zu steigen. Ich nehme die Seilbahn und bin kurze Zeit später am Eingang der Festung. Ich leihe mir einen Audioguide, was sehr zu empfehlen ist, weil die Stationen sehr gut aufbereitet sind und schlucke erstmal ob des Preises für alles zusammen, etwa 25 EUR. Ein stolzer Preis, aber wie schon mehrfach festgestellt, hier in Israel ist alles etwas teurer. Wobei die Israelis, wie mir gesagt wurde, nicht mehr verdienen. Im Schnitt etwa 2.500 EUR brutto, was netto ungefähr 1.800 EUR bedeutet.
Ich bin überwältigt von den Ausmaßen der Festungsanlage und dem tollen Blick in die Ebene. Auch fasziniert mich wieder einmal mehr, was die Wissenschaftler nach über 2.000 Jahren alles rekonstruieren konnten. Dank des sehr guten Audioguides fühle ich mich fast in die damalige Zeit zurück versetzt, mache viele Foto- und Videoaufnahmen und merke dabei gar nicht, wie die Zeit unaufhaltsam verstreicht, bis ein Mitarbeiter des Aufsichtspersonals auf mich zukommt und mir sagt, dass es an der Zeit ist, den Audioguide zurückzugeben und die Festung zu verlassen, da es gleich 16:00 Uhr sei. Ich kann es gar nicht fassen, dass die Zeit schon herum ist. Ich habe bestimmt noch nicht einmal die Hälfte gesehen.
Das ist das Schöne, wenn man individuell unterwegs ist, man kann sich Zeit lassen, sofern man sie hat. Eines ist gewiss, bei meinem nächsten Israelaufenthalt wird Masada nochmal ganz oben auf der Liste der zu besuchenden Sehenswürdigkeiten stehen. Dann fahre ich mit der Seilbahn, so schnell wie ich hochgekommen, bin wieder hinunter. Nur ist die Seilbahn jetzt viel voller. In der Talstation ist schon alles auf Feierabend programmiert und die normalen Ausgänge bereits verschlossen. Wir müssen über den Toilettenbereich ins Freie, was für einige Irritationen und Verwirrungen sorgt. Einen Notfall mag ich mir da nicht vorstellen. Hatten wir ja auch nicht. Dann stehe ich schließlich im Freien, zusammen mit zwei jungen Frauen, die sich als ebenfalls Deutsche zu erkennen geben. Beide sind Studentinnen der Theologie an der Uni in Leipzig. Die Eine macht ein Auslandsstudienjahr an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Die andere besucht ihre Freundin. Beide müssen auch nach Jerusalem. Ich biete ihnen an, sie nach Jerusalem mitzunehmen. Sie beraten sich kurz und nehmen dann mein Angebot dankend an. Wir fahren im Schein der Abendsonne am Toten Meer entlang und heute tritt das ein, was mir Yuval und Mirit so toll beschrieben haben. Der Gebirgszug auf der Jordanischen Seite verfärbt sich im Licht der untergehenden Sonne tatsächlich feuerrot und spiegelt sich im Wasser des Toten Meeres wider. Wir müssen anhalten und das Naturschauspiel mit unseren Kameras festhalten, es ist sehr beeindruckend. Wir werden auf unserer Heimfahrt noch ein zweites Mal zum Fotografieren anhalten und sind schließlich kurz vor 18:00 Uhr wieder in Jerusalem, an der Budget-Autovermietung. Das Volltanken des Autos zieht sich ein bisschen hin, sodass ich das Budget-Büro um 18:03 Uhr betrete. Einer der Mitarbeiter versucht mich abzuwimmeln, dass ich morgen wieder kommen solle. Es gelingt mir aber doch noch einen Mitarbeiter zu finden, der mir das Auto abnimmt. Insgesamt haben mich die drei Tage knapp 200 EUR Leihgebühr, plus etwa 100 EUR Sprit gekostet, dafür hatte ich aber auch ein Maximum an Flexibilität. Zwischenzeitlich ist es dunkel und auch ziemlich kühl geworden. Ich gehe noch schnell in den Supermarkt mir etwas zu Essen und zu Trinken für heute Abend einkaufen und bin schließlich gegen 19:00 Uhr wieder im Paulushaus, in meinem Quartier angekommen. Abends schreibe ich dann etwa 20 Karten an Freunde und Verwandte, mit einem Gruß von meinem Pilgerziel Jerusalem. Den Followern meines Blogs teile ich mit, dass ich die noch ausstehenden Berichte nach meiner Rückkehr zu Hause schreiben werde und verspreche ihnen, das zeitnah zu tun.

2019_02_17_1290735.jpg2019_02_17_1290736.jpg2019_02_17_1290743.jpg2019_02_17_1290747.jpg2019_02_17_1290749.jpg2019_02_17_1290753.jpg2019_02_17_1290754.jpg2019_02_17_1290785.jpg2019_02_17_1290786.jpg2019_02_17_1290794.jpg2019_02_17_1290811.jpg2019_02_17_1290818.jpg2019_02_17_1290828.jpg2019_02_17_1290835.jpg2019_02_17_1290837.jpg2019_02_17_1290847.jpg2019_02_17_1300015.jpg2019_02_17_1300028.jpg2019_02_17_1300033.jpg2019_02_17_1300101.jpg2019_02_17_1300129.jpg2019_02_17_1300143.jpg2019_02_17_1300150.jpg2019_02_17_1300154.jpg2019_02_17_1300156.jpg2019_02_17_1300157.jpg2019_02_17_1300161.jpg2019_02_17_1300165.jpg2019_02_17_1300173.jpg2019_02_17_1300175.jpg2019_02_17_1300178.jpg2019_02_17_1300182.jpg

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s