Auf dem Israel National Trail – שביל ישראל Tag 04-11 (09.-15.02.20)

Hallo ihr Lieben, heute ist Samstag der 14.02., es ist Shabbat und das öffentliche Leben ruht. Ich sitze in einem kleinen, ziemlich heruntergekommenen, dafür aber ziemlich teuren Appartement in Be’er Sheva, etwa 200 km weg vom Shvil Israel. Ihr wollt wissen, wie das kommt? Ich wollte gestern, nach Ende meiner Tour in das etwa 20 km entfernte Paran trampen, um dort zu übernachten und heute meinen Blog zu schreiben, aber es kam so ganz anders. Aber dazu an späterer Stelle mehr!

Tag 4, So: 09.02. von Eilat – zum Yehoram NightCamp (NC), 16 km

Ich fahre mit dem Taxi zur Field School, die etwa 5 km außerhalb von Eilat liegt und wo der Shvil Israel beginnt. Gegen 07:30 Uhr beginne ich meinen Aufstieg. Die Landschaft ist lebensfeindlich, aber wunderschön und bizarr. Ich komme zu den Gishron Cliffs und bin sehr beeindruckt. Dann steige ich hinab in das Wadi Gishron und mache nach 7 km, um 12 Uhr Mittagspause. Jan aus Hamburg, den ich gestern im Shelter Hostel kennengelernt habe und der den Wüstentrail bis Arad laufen will, hat mich hier eingeholt und wir machen zusammen Pause. Um 12:20 Uhr geht’s weiter. Allerdings ist unser Tempo so unterschiedlich, dass ein Zusammenlaufen keinen Sinn macht. Er ist 34 , ich 61, er hat 12 kg, ich 25 und vor allem will ich Foto- und Videoaufnahmen machen. Das passt einfach nicht. Im Oberen Wadi Gishron wird es das erste Mal ernst, es geht über mehrere Metallleiter hinauf. Ich schaffe es problemlos, ohne Klettergurt und ohne Panik. Es ist ein gutes Gefühl, das mir Sicherheit und Selbstvertrauen gibt. Ich drehe sogar ein Video davon und muss deshalb noch einmal extra unter und wieder rauf, um die Kamera und das Stativ zu holen. Auch die folgenden Aufstiege, sowohl Metalltritte, Handsicherungen und Leitern meistere ich sehr gut. Allerdings ist der Aufstieg für den ersten Tag gleich eine volle Druckbetankung. Gegen 16:30 komme ich nach 16 km glücklich, aber auch erschöpft an meinem Ziel an. Ich beschließe, nicht im Yehoram NightCamp (NC) zu übernachten, sondern zurück nach Eilat zu trampen und mein überflüssiges Gepäck auf der Post aufzugeben. Ein 5 kg Paket nach Deutschland kostet um die 40 EUR. Ich nehme Kontakt mit dem Paulushaus in Jerusalem auf, wo ich letztes Jahr als Jerusalem-Pilger gewohnt habe und kann es dorthin schicken. Ein hilfsbereiter Schalterbeamter hilft mir beim Ausfüllen des Paketscheines. Dann gehe ich für eine weitere Nacht ins Shelter Hostel. Anschließend gehe ich noch in den Supermarkt. Da mein Trinksystem mit den Israelischen Schraubverschlüsse nicht zurecht kommt, erkundige ich mich beim Verkäufer, ob es Flaschen gibt, die passen. Es ist schließlich eine 1,5 l Coca Cola Flasche, die passt. Was hilft’s!
https://youtu.be/cKBHLV0Rs8w

Tag 5, Mo: 10.02., von Yehoram NC bis zum Shehoret NC, 12 km

Ich fahre mit dem Taxi zu dem Ort, wo ich gestern nach Eilat zurück getrampt bin. Um 8 Uhr beginne ich meinen Trail, bei Sonnenschein und einem leichten, noch kühlen Wind. Ich spüre mein Herz ganz leicht und hatte heute früh ein bisschen Angst vor der heutigen Etappe, obwohl sie um vieles leichter sein soll als die gestrige Etappe. Ich frage mich, warum mache ich das, was muss ich mir mit 61 noch beweisen? Es ist die Faszination dieser Landschaft ja und natürlich auch zu sehen, was mit 61 noch geht! Es geht jetzt erstmal steil hinab und ich schaue mal was mich heute erwartet.

Nach gut einen Kilometer kommt eine sehr sehr schmale Klamm, das Gestein ist noch nass von der Nacht, sodass ich Angst habe abzurutschen und der Durchgang ist so eng, dass ich mit meinem Rucksack nicht hindurch komme. Ich muss ihn abschnallen und hinter mir herschleifen. Es sind hier Tritte angebracht, aber trotzdem ist es sehr eng und ich habe Angst, ich könnte abrutschen und der Rucksack mich beim nachziehen nach unten reißen. Zum Glück geht alles gut, der Rucksack hat ein paar Schrammen mehr, aber sonst ist zum Glück nichts passiert und ich gehe gestärkt in meinem Selbstvertrauen aus dieser Situation heraus. Dann ist es weitestgehend eben, nur ein kurzer Anstieg und ein ebenso steiler leicht halsbrecherischer Abstieg. Ich nehme meine Hande zu Hilfe und komme kurze Zeit später unbeschadet in dem Wadi an. Der Rucksack schiebt doch ganz schön! Eben habe ich eine Touristen Gruppe Israelis getroffen, die hier ein Stück durch die Wüste laufen. Es läuft sich ziemlich schwer, denn es ist sehr sandig und es geht einen Schritt vor und zwei zurück. Um 11:30 Uhr mache ich nach 8 km, gerade auf dem Gipfel eines Anstiegs, Mittagspause. Es fällt mir schwer heute, obwohl die Strecke deutlich leichter als gestern ist und ich 4 kg weniger Gewicht im Rucksack habe. Aber der gestrige Tag steckt mir noch in den Knochen und auch 21 kg wollen balanciert sein. Insbesondere bei Aufstiegen muss ich meistens meine Hände mit zu Hilfe nehmen. Um 12:00 Uhr laufe ich gesättigt und hoffentlich auch gestärkt weiter. Die Sonne scheint, aber es weht ein recht kühler, teilweise böiger Wind. Direkt nach meinem Mittagsplatz beginnt der Abstieg. Er ist nicht sehr steil, aber durch den Sand recht rutschig . Hier könnte ich gut Stöcke gebrauchen, aber das wäre dann noch mehr mit zu schleppen. Junge Leute hüpfen hier wahrscheinlich einfach runter, aber ich und mit mein 20 Kilo auf den Rücken, bemühe immer wieder auch meine Hände und mache lieber etwas langsamer, als dass ich hinfalle. Um 13 Uhr treffe ich im Shehoret Canyon eine Gruppe junger Deutscher, die hier in Israel ihr soziales Jahr machen und im Norden in einem Heim für Überlebende des Holocaust arbeiten.
Der Shehoret Canyon ist sehr beeindruckend. Gegen 14:00 Uhr erreiche ich nach 6 Stunden, in denen ich 12 km gelaufen bin das Shehoret NightCamp. Ich bin für heute an meinem Ziel und glaube, dass es eine gute Entscheidung ist, nach dem anstrengenden ersten Tag nicht gleich einen zweiten, auch sehr anstrengenden Tag draufzusetzen. Allerdings ist hier eine Eventorganisation dabei, für einen Schulausflug eine Abendparty vorzubereiten. Es sind bereits Grills, Aggregate und etwa 30 Zelte aufgebaut. Ich baue mein Zelt etwa in 100 m Entfernung auf, um von dem Radau hoffentlich doch nicht soviel mitzubekommen. Es ist ziemlich windig und gar nicht so einfach das Zelt aufzubauen. Auch halten die Heringe nicht in dem Sandboden. Ich beschwere sie mit Steinen. Nach einer guten halben Stunde habe ich mein Zelt aufgebaut und alles gerichtet. Kurz nach 17:00 Uhr wird es dunkel und gegen 17:30 Uhr kommen sechs Busse mit Schülern. Mittlerweile ist es 18:30 Uhr. Meine NorthFace Wanderhose hat heute ihren ersten Riss bekommen. Ich flicke ihn mit Panzerband. Inzwischen ist es 18:45 Uhr, ich mache mich „bettfertig“. Meine Strümpfe stinken sowas von übel!!! Der Krach von den Jugendlichen kommt nur gedämpft zu mir rüber.
https://photos.app.goo.gl/N4J2tXgPqUJGPeB38
https://youtu.be/i5mbHlfwevs

Tag 7, Di: 11.02., vom Shehoret NC bis zum Timna Park, 23 km

Ich habe die Nacht fantastisch geschlafen und nicht gefroren! Ich werde um 6 Uhr wach und fange kurz danach an, mein Zelt abzubauen und einzupacken. Es klappt gut und ich bin etwa um 7:30 Uhr fertig. Ich werde von einem jungen Mann von der Schulfreizeit angesprochen, doch dorthin zum frühstücken zu kommen. Dabei erfahre ich, dass es die Abschlussfahrt einer 12 Klasse ist. Ich frühstücke und freue mich, eingeladen worden zu sein und mich lecker satt essen zu können. Die arme Leute haben heute Nacht ganz erbärmlich gefroren, trotz Schlafsack. Ich starte um 8:15 Uhr und es geht auch gleich ziemlich steil nach oben. Ich muss den Ma‘ ale Amram passieren und steige innerhalb von 3 km von 160 m auf 600 m auf. Es ist ganz schön heftig. Aber dadurch, dass ich gestern etwas kürzer getreten bin, bin ich heute gut erholt und schaffe den Aufstieg zwar mit tüchtigem Schnaufen und immer wieder stehenbleiben unterwegs, aber ohne größere Probleme. Unterwegs komme ich zum Picknick von Shauli und seiner Frau, wir haben uns die letzten Tage mehrmals getroffen, zuletzt gestern beim Einstieg in die schmale Klamm. Heute machen sie hier mit ihrer Familie gerade ein Picknick und laden mich auf einen Kaffee und Plätzchen ein. Es ist sehr nett. Später überholt mich ihr Sohn und macht von der Bergspitze aus mit seiner Drohne Fotos, von denen ich vielleicht auch ein paar bekomme. Dann geht es bergab und teilweise muss ich Stellen passieren, die mit Tritten gesichert sind. Dann geht es weitestgehend eben weiter. Nach 15 km habe ich anderthalb Liter Wasser verbraucht. Gegen 15:30 Uhr erreiche ich Timna Park und beschließe, hier heute zu übernachten. Ich zahle 25 Schekel und kann im Freien unter einer Zeltplane schlafen, mich duschen und meine Sachen waschen. Dann gehe ich ins Restaurant und bestelle zwei Bier und einen Griechischen Salat und bezahle dafür 85 Schekel also 21 EUR. Ein stolzer Preis. Jetzt ist es gleich 17:00 Uhr und wenn die Sonne weg ist, wird es gleich lausig kalt! Gegen 19:00 Uhr liege ich in meinem Schlafsack unter einem Dach – gute Nacht!
https://youtu.be/H9nynnd0GxA

Tag 8, Mi: 12.02., vom Timna Park bis kurz vor Shaharut, 32 km

Heute liegt eine sehr lange Etappe vor mir, deshalb starte ich auch bereits um 06:30 Uhr, zusammen mit Yuval, einem jungen Israeli, der auch unter dem Dach Quartier gefunden hat. Um 09:30 Uhr, nach 7 km teilweise ziemliche Kletterei erreiche ich das Timna Park Visitors Center, mache eine kurze Pause und trinke einen Kaffee. Um 09:45 Uhr setze ich meinen Weg fort. Ich hatte heute früh ein bisschen Durchfall und heute Nacht eine diffuse Angst vor dem heutigen Tag, es evtl nicht zu schaffen. Jetzt genieße ich die Ruhe, horche in mich hinein, bete zu Gott um seinen Beistand und danke ihm für die Schönheit, die ich hier erleben darf. Ich mache Videos mit meiner GoPro und schicke WhatsApp Videos nach Hause. Meine Hose ist jetzt auch über den rechten Knies geschrottet. Nach weiteren 5 km bin ich am M’ale Milhan angelangt, wo es auf 2 km 450 m hinaufgeht. Ich habe Angst, obwohl ich weiß, dass ich es schaffen werde. Ich bete zu Gott um seinen Beistand und Segen und gehe ganz langsam, Schritt für Schritt in der prallen Sonne nach oben. Ich mache immer wieder Verschnaufpausen. Um 12:45 Uhr bin ich oben. Ich bin von 250 m auf 700 m, in etwa 2 km und 1h:50 min hinaufgestiegen. Der Rest des Weges ist vergleichsweise nur noch etwas erschwerteres Wandern. Allerdings habe ich durch den Aufstieg und meine zahlreichen Foto- und Videostopps doch ganz schön an Zeit verloren, sodass ich es nicht mehr zu meinem Quartier, dem Shaharut Nomade Camp schaffe, sondern  etwa 4 km vorher in Gottes freier Natur meinen Schlafsack ausrollen muss und den herrlichen Sternenhimmel in der Wüste über mir habe. Um 18:30 Uhr liege ich bei totaler Dunkelheit in meinem Schlafsack. Ein Weiterlaufen mit Stirnlampe wäre mir auf den gerölligen Wegen einfach zu gefährlich gewesen.
https://youtu.be/ETPZVsgC_PE

Tag 9, Do: 13.02., zurück nach Eilat, eine neue Hose kaufen

Ich habe sehr gut geschlafen und wache um 05:30 Uhr auf, frühstücke und Rolle meinen Schlafsack zusammen. Nach einem Kilometer bin ich in Shaharut und klopfe erstmal an einem Haus, um meine Wasserflasche aufzufüllen. Die junge Frau gibt mir auch noch einen Apfel mit auf meinen Weg. Sie meint, Shaharut sei das ruhigste Dorf in ganz Israel. Dann bin ich auch schon aus dem Dorf raus und laufe auf der Straße, vorbei am Nomadencamp, wo ich eigentlich die letzte Nacht schlafen wollte. Der Shvil Israel führt parallel der Straße, von daher habe ich nichts versäumt. Erst nimmt mich ein Mann für anderthalb Kilometer mit. Kurze Zeit später kommt eine Frau mit einem Dacia und bringt mich bis zur Yotvata Raststelle, wo ich erstmal frühstücke und anschließend auch sehr schnell bis nach Eilat mitgenommen werde. Im Big Market ist ein Outlet Store, hier bekomme ich eine neue NorthFace Hose. Danach gehe ich erstmal einen Kaffee trinken. Mir geht es heute nicht gut. Ich fühle mich ein bisschen kränklich, mir geht’s im Magen rum und ich habe Angst, ja ich habe Angst vor dem, was da auf mich zukommt, obwohl ich die Herausforderungen bisher gut gemeistert habe. Haim Berger hat sich auch gemeldet und mir die Watercaches mitgeteilt. Ich werde nachher versuchen bis zum Zihor NC zu trampen, aber vorher muss ich mir erst noch etwas zu essen kaufen.

Um 14:30 Uhr bin ich am Zihor NC angekommen, finde aber mit den WhatsApp Koordinaten und den Fotos kein Wasserversteck (Watercaching). Ich rufe Haim Berger per WhatsApp an und wird machen ein Videoconferencing. Ich bin ganz woanders, als ich sein sollte. Ich hatte die Koordinaten in mein Osmand Navigationssystem eingegeben. Jetzt verwende ich Google Maps und komme genau dahin, wo auch die Wasserflaschen deponiert sind. Ich hätte nicht gedacht, dass die Systeme die Daten so unterschiedlich interpretieren, mit einer Abweichung von bestimmt 100 m. Ich laufe dann noch ein Stück, sodass ich es morgen nicht so weit habe.
Um 17:00 Uhr erreiche ich nach 5,5 km das Paran NC. So habe ich morgen wenigstens 5,5 km weniger. Mein Befinden ist besser geworden. Das kränkliche Gefühl ist zum Glück weg und die Angst ist auch nicht mehr da. Es ist eine herrliche Ruhe, so im milden Licht der untergehenden Sonne. Probleme macht mir nur gerade, dass meine Powerbank leer ist und mein Handy nur noch 43% Ladung hat. Ich hoffe nur, dass ich sie morgen einigermaßen geladen bekomme. Um 18:00 Uhr habe ich „zu Abendbrot gegessen“, meine Zähne geputzt und bin „bettfertig“ im letzten Tageslicht und beim Zirpen der Grillen.
https://youtu.be/yiy4J66EDFY

Tag 10, Fr: 14.02. Paran NC – unfreiwillig nach Be’er Sheba

Heute steht eine schwere Etappe, nicht nur von der Länge, sondern auch vom Klettern vor mir. Heute soll es über 25 km vom Paran NC zum Barak NC gehen.
Ich stehe deshalb auch schon um 06:00 Uhr auf und bin um 07:00 Uhr Abmarsch bereit. Der Weg führt sehr mühsam über Geröll und Sand durch das Nahal Paran, einem weitläufiges Tal. Ich verliere die Markierungen aus dem Auge und mache einen Umweg von etwa 4 km. Um 9:30 Uhr ich bin wieder auf dem richtigen Weg zum Vardit Canyon. Wenn du die Markierung einmal verloren hast, ist es oft sehr schwierig, sie zu wieder zu finden. Durch den Canyon durch, geht nicht! Da steht mindestens hüfthoch das Wasser drin. Ich mache erstmal kurz Frühstück und beginne um 10:40 Uhr den Aufstieg auf die Umgehungsroute. Von 228 m geht es steil hinauf und der Weg führt über Tritte, Leitern und schmalen Graten, direkt am Rand des Canyon-Randes entlang. Das ist mir dann doch zuviel des Guten und das Risiko, dass mir hier etwas passiert, ist mir einfach zu hoch. Ich beschließe, vorsichtig wieder umzukehren und ins Tal hinabzusteigen.
Um 14:00 Uhr, nach 23 km, bin ich wieder an der Straße, an der ich gestern aus Eilat angekommen bin und will in das etwa 20 km entfernte Paran trampen, wo ich bei Miri Koren für zwei Nächte ein Quartier bekommen habe. Den Kontakt hatte ich über Frank Wachtel bekommen, der den Shvil schon vor mir gemacht hat und mir ein paar hilfreiche Tipps gegeben hat. Etliche PKW fahren vorüber, schließlich hält ein uralter Bus. Mit so einem Bus bin ich in den 1980’ger Jahren in der DDR mit Schülern zum Feldeinsatz gefahren. Das Fahrerhaus ist vom Fahrgastraum abgetrennt und es gibt auch keine Kommunikationsmöglichkeit mit dem Fahrer. Außerdem spricht er kein Englisch. Ich versuche ihm verständlich zu machen, dass ich an der nächsten Kreuzung, wo eine Straße nach links abgeht, in etwa 5 km aussteigen möchte. Der Fahrer sagt mir, dass er nach Be’er Sheba fährt. Dann steige ich hinten ein. Es kommt, wie es kommen muss. Nach etwa 20 km hält er an, mitten in der Pampa, um mich rauszulassen. Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich weiter mitfahren will, denn hier in the middle of nowhere und dann noch zu Shabbat, da finde ich doch nie ein Quartier. Dann schon lieber bis Be’er Sheva mitfahren, da habe ich wenigstens eine Chance auf ein Hotel. Kurz vor Be’er Sheba biegt er schließlich rechts ab und lässt mich hier raus. Ich laufe bis zur nächsten Bushaltestelle, direkt hinter der Kreuzung, weil man von hier aus gut trampen kann. Es hält aber niemand an. Nach gut einer Stunde kommt schließlich ein Bus und nimmt mich mit nach Be’er Sheba. Mittlerweile ist es Freitagnachmittag, also Shabbat. Über Booking.com buche ich ein Quartier für zwei Nächte. Es ist mit umgerechnet 150 EUR das einzige günstige hier. Alle anderen liegen bei 300 EUR aufwärts. Ich lasse mich mit dem Taxi hinfahren. Ich finde zwar die Adresse, aber da ist keine Pension. Ich versuche den Vermieter anzurufen, ohne Erfolg. Ich komme mir gerade sehr hilflos und verlassen vor! Ich gehe in den gegenüberliegenden Araberladen, aber die kennen die Pension auch nicht. Der Verkäufer fragt in der angeschlossenen Trinkhalle, ob jemand von den dort versammelten arabischen Männern für mich eine Unterkunft weiß. Einer hat eine, auch für 150 EUR, will aber gleich das Geld haben. Ich sage, dass ich das Quartier erstmal sehen will. Wir fahren hin und sind uns schnell handelseinig. Welche Alternative bleibt mir auch? Es ist alles ziemlich heruntergekommenen, aber wenigstens einigermaßen sauber. Wenn man weiß wie, geht auch die Heizung und es gibt warmes Wasser. Ich gehe noch etwas einkaufen, wasche meine stinkigen Socken und betrachte meine Fußzehen. An beiden Füßen je drei blaue Zehnägel. Später am Abend meldet sich der Besitzer der Pension, die ich über Booking.com gebucht habe per WhatsApp. Wir vereinbaren, dass ich mein Geld zurück bekommen soll. Na da bin ich ja Mal sehr gespannt. Dann rolle ich mich in meinen Schlafsack und schlafe ein.
https://youtu.be/j0RrNbcc2_k

Tag 11, Sa: 15.02. Blog schreiben in Be’er Sheba

Ich habe die Nacht ganz gut geschlafen, irgendwelches konfuses Zeug geträumt und wache gegen 08:00 Uhr auf. Nach dem Frühstück, aus den Resten von gestern und ohne Kaffee mache ich mich daran, meinen Blog zu schreiben. Insbesondere das hochladen der geschnittenen Videos erweist sich aufgrund der sehr schlechten WiFi-Anbindung meines Quartiers als sehr mühsam und zeitraubend. Möglicherweise bekomme ich gar nicht alles hochgeladen.
Nachher muss ich dann auch noch planen, wo ich am besten wieder in den Shvil Israel einsteige und meinen Weg fortsetze. Gegen 22:00 Uhr bin ich dann mit allem fertig und hoffe, dass der Video-Upload nach YouTube über Nacht, bei dem sehr instabilen WiFi durchläuft. Dann mache ich mich bettfertig. Morgen ist Sonntag, hier ein ganz normaler Arbeitstag.