Auf dem Israel National Trail – שביל ישראל Tag 12-19 (16.-23.02.20)

Hallo ihr Lieben, es gibt den Spruch „Der Mensch denkt und Gott lenkt!“ oder für alle die, die es mit Gott nicht so haben „Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!“ – So auch bei mir!

Bis Ende letzter Woche war für mich in Sachen ‚Shvil Israel‘ die Welt noch heil. Doch dann wurde meine Freundin Iris von ihrer Vermieterin zu einem Gespräch gebeten und erhielt die Kündigung ihrer Wohnung wegen Eigenbedarfs!

Und von jetzt auf gleich war plötzlich nichts mehr so, wie es vorher war! Iris in Frankfurt, völlig aufgelöst und wie aus allen Wolken gefallen, nach über 18 Jahren in der Wohnung und ich hier in Israel, in der Ferne. Da gibt es für mich nur eine logische Konsequenz und kein Zögern, ich unterbreche meinen Shvil Israel und fahre heim zu meiner Iris, wo ich jetzt dringender gebraucht werde und wenn es nur die moralische Unterstützung, aber eben zu Hause, ist!

Meinen Plan, den Shvil Israel zu laufen, gebe ich deshalb nicht auf und hoffe, ihn Anfang nächsten Jahres fortsetzen zu können und auch, dass ihr dann wieder dabei seid!

Tag 12, So: 16.02., von Be’er Sheva zurück auf den Shvil Israel

Heute vor einer Woche bin ich in Eilat gestartet.
Es ist jetzt 6:30 Uhr, ich bin seit 04:30 Uhr wach und um 05:00 Uhr aufgestanden. Was soll ich mich im Bett rumwälzen?
Zu Hause ist heute Sonntag und frei, hier ein völlig normaler Arbeitstag.
Heute will ich zurück nach Sapir mit dem Bus und dann noch etwa 10 km laufen, bis zum Gev Holit NightCamp, wo Haim Berger für mich Wasser hinterlegt hat.
Ich spüre heute früh mein Herz etwas und bin ein bisschen unruhig, was mich wohl erwartet, heute und in dieser Woche.
Ich habe noch einiges vorzubereiten, meinen Blog noch hochzuladen und kann die Zeit bis zum Abmarsch gut nutzen.
08:10 Uhr verlasse ich meine Unterkunft in Be’er Sheva, der Himmel ist bewölkt und es ist kühl.
Es dauert eine Weile, bis der Bus der Linie 7 kommt, der mich zur Zentralstation bringt.
Der Fahrer hat einen furchtbaren Fahrstil, ich fliege laufend vor und zurück.
Ich bin zuerst an der Trainstation. Die Security fragt mich, wo ich hin wolle. Als ich sage, auf den Shvil Israel, nicken sie anerkennend. Allerdings bin ich hier falsch und muss zum nächsten Eingang, zum zentralen Busbahnhof. Hier fährt mein Bus um 10:00 Uhr in Richtung Eilat. Das Ticket kostet etwa 8 EUR.
Ich habe genug Zeit und esse erst noch in dem Imbiss ein Baguette mit einer scharfen Soße und diversen Salaten.
Der Bus fährt pünktlich ab.
Mir ist aufgefallen, dass es hier zwar jede Menge Muslime gibt, aber ich keine einzige Moschee gesehen habe, noch einen Imam zum Gebet rufen gehört habe.
Um 12 Uhr hält der Bus nach 128 km an der Sapir Junction.
Bis nach Sapir sind es nochmal etwa 3 km. Eine junge Frau hält mit ihrem Auto und nimmt mich mit.Ich kaufe hier für die nächsten Tage etwas zu essen ein, Pitabrot, Thunfisch und Datteln.
Um 13:15 Uhr bin ich schließlich wieder zurück auf dem mir inzwischen schon sehr vertraut gewordenen Weg mit der ‚Orange/blau/weißen‘ Markierung.
Es geht heute weitestgehend eben, nur zwei etwas steilere An- und Abstiege, die aber doch Zeit kosten. Es weht hier auch ein ziemlich böiger Nord-Ost-Wind. Generell fällt mir auf, dass es hier mehr Grün gibt, als in der Wüste im Bereich von Eilat. Vielleicht regnet es hier doch ab und zu Mal.
Um 16:30 Uhr erreiche ich nach 15 km den Nahal Zevira Campground und beschließe, meine Tagesetappe hier zu beenden. Bis zu meinem eigentlichen Ziel, dem Gev Holit NC wären es noch etwa 8 km und davor ist noch der Anstieg zum Mt. Yahav, das schaffe ich unmöglich im Hellen.
Die Parkranger haben hier Feuerholz zur Nutzung hingebracht und so mache ich ein kleines Lagerfeuer. Wegen des starken Windes war es erst gar nicht so einfach, das Feuer in Gang zu bekommen. Ich habe mir ein paarmal die Finger verbrannt, aber dann brannte es doch lichterloh. Ich muss gerade darüber nachdenken und schmunzle: lebe ich auf meine „alten Tage“ noch die in meiner Jugend versäumte Pfadfinderzeit aus? Es ist ja nie zu spät! Auf jeden Fall genieße ich es, so ganz auf mich allein gestellt zu sein und das Leben hier in der Wüste zu meistern.
Mittlerweile ist es 18:30 Uhr, das Feuer liegt in den letzten Zügen, die Zähne sind geputzt, die Cholesterin-Tablette ist genommen es wird also Zeit in den Schlafsack zu kriechen. Gute Nacht!

Tag 13, Mo: 17.02., von Nahal Zevira Campground bis irgendwo unterm Sternenzelt

Ich habe die Nacht sehr gut geschlafen und wache um 06:20 Uhr erholt auf. Um kurz nach 07:00 Uhr bin ich abmarschbereit. Eigentlich wollte ich es gestern bis zum Gev Holit NC schaffen, aber das war zu weit!
Leider ist meinem Fotoapparat bei der Erstellung des Zeitraffervideo des Sternenhimmels der Saft ausgegangen, aber ich habe wenigstens ein paar schöne Fotos. Ich habe ein bisschen Bammel wegen des Wassers, denn ich habe nur noch anderthalb Liter und wenn das bei Gev Holit mit dem Watercaching nicht klappt, dann habe ich ein ernstes Problem. Aber hoffen wir mal, dass alles klappt!
Von meinem Freund Bernd habe ich eine Radar-App empfohlen bekommen, die mir beim Watercaching hilfreich sein soll. Ich habe sie installiert und finde das Wasser ohne Probleme. Mir fällt ein Stein vom Herzen! Ich mache eine kurze Pause und beginne dann mit der eigentlichen heutigen Etappe. Das hätte ich gestern unmöglich im Dunkeln bis hierher geschafft!
Ich laufe jetzt mit 3 l Wasser von Gev Holit zum Gevanim Night Camp, 18 km.
Hinter mir liegen bereits 10 km und 18 km noch vor mir. Das wird nur schwer zu schaffen sein! Es ist ziemlich heiß. Ich habe eh das Gefühl, dass es jeden Tag ein kleines bisschen wärmer wird.
Gegen 14:00 Uhr treffe ich einen Deutschen aus Marburg, der in Richtung Süden unterwegs ist. Er sagt mir, dass die Strecke nicht kompliziert sei. An einer Stelle seien Metallgriffe, aber die seien nicht wirklich nötig. Na hoffen wir mal, dass er Recht hat! Nach ungefähr 18 km, gegen 15:30 Uhr treffe ich einen älteren Israeli und einen jüngeren Amerikaner. Der Amerikaner meint, dass wir uns schon Mal begegnet wären. Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich sage ihnen, dass ich noch bis zum Gevanim NC will, da meinen sie, dass das unmöglich zu schaffen sei und wollen mich überzeugen, mit zurück zu kommen bis zum Gev Holit NC. Ich wehre ab und sage, dass ich dann ggf unterwegs übernachten werde. Der Israeli weißt mich darauf hin, dass das nicht erlaubt sei. Ich weiß! Dann fragen sie mich noch, ob ich genug Wasser habe und geben mir sicherheitshalber und freundlicherweise einen Liter ab. Ich frage auch sie nach der Schwierigkeit der Strecke, da meinten sie, dass da nur ein ehemaliger Wasserfall wäre, wenn ich meinen Rucksack da die 3-5 m runterfallen ließe, müsste es gehen. Dann trennen sich unsere Wege.
Kurze Zeit später bin ich genau an dem Wasserfall angelangt. Das Gestein, eigentlich Kalkgestein, ist wie Sinter oder polierter Marmor spiegelglatt. Da ist nirgends etwas zum Festhalten, da schmiere ich voll ab! Ich merke, wie Panik in mir hochsteigt. Sollte ich jetzt an dieser Stelle hängenbleiben? Ich überlege schon, ob ich evtl den ganzen Weg bis Sapir wieder zurückgehen muss. Ich rette mich erstmal wieder zurück auf rauheres Gestein und versuche mich zu beruhigen.
Mir ist völlig unklar, wie die beiden das geschafft haben sollen. Aber der INT-Pfeil weist eindeutig auf diesen Wasserfall hin. Dann sehe ich ein paar Meter weiter oben, dass es da einen kletterbaren Abstieg gibt. Ich bin sehr erleichtert. Warum der Pfeil nun gerade auf den Wasserfall zeigt, ist mir nicht erklärlich.
Als ich diese Stelle passiert habe, ist der Weg dann wieder easy going, bergauf und bergab, ein gut zu laufender Wanderweg. Mir wird allerdings bald klar, dass es heute bis zum Gevanim NC nicht mehr zu schaffen ist. Aber das macht mir auch nichts aus. Um 16:45 Uhr, nach 22 km, suche ich mir auf dem Weg eine Ebene Fläche aus, breite darauf die Plane aus, lege Luftmatratze und Schlafsack darauf und fertig ist mein Nachtquartier. Es ist noch eine kleine Weile hell, sodass ich noch bei Tageslicht zu Abendbrot essen kann. Mit dem Öl aus der Thunfischdose mache ich ein bisschen Sauerei und mache mir Ölflecken auf meine Luftmatratze. Ärgerlich, aber was soll’s. Dann lege ich mich in meinen Schlafsack, mitten auf dem Weg. Es ist hier ziemlich windig und ich behalte erstmal meine Klamotten an. Nachdem es gestern mit dem Zeitraffervideo vom Sternenhimmel nicht geklappt hat, weil der Akku vorher leer war, hoffe ich, dass es heute klappt. Es ist phantastisch unter dem Sternenhimmel einzuschlafen. https://youtu.be/vk4SMO2VhPA

Tag 14, Di: 18.02., von unterwegs, bis Mitzpe Ramon

Ich habe die Nacht recht unruhig geschlafen, mir tun die Knochen vom harten Boden, trotz Luftmatratze weh. Mein Schlafsack hat mich aber gut warm gehalten. Ich habe den Wecker auf 05:30 Uhr gestellt, stehe dann kurz vor 06:00 Uhr auf, es beginnt so langsam hell zu werden. Um 6:45 Uhr bin ich abmarschbereit. Viel zu essen habe ich nicht mehr, mein Tchina habe ich gestern unterwegs verloren, hat mir eh nicht so sehr geschmeckt, das Pitabrot, das ich tiefgefroren in Sapir gekauft habe, ist totaler Krümelkäse. Ich habe noch Müsliriegel, ein paar Nüsse von zu Hause und vor allem Datteln. Ich laufe frohen Mutes und zügig in den neuen Morgen und komme auf weitestgehend Ebenen Wegen erstmal ganz gut voran.
Vorher schicke ich unserer Freundin Karin, die heute Geburtstag hat per WhatsApp eine Grußbotschaft. Ich denke Mal, so oft wird sie noch keine Geburtstagsgrüße aus der Negev-Wüste bekommen haben.
Gegen 8:15 Uhr treffe ich ein deutsches Pärchen. Wir unterhalten uns kurz, sie haben auch außerhalb eines NC geschlafen. Das Gevanim NC wäre so voll gewesen, da hätten sie es vorgezogen, weiter zu ziehen. Dann steigt mein Weg steil zum Karbolet Harerim an. Ich mache erst mal kurz Pause und esse etwas. Um 10:00 Uhr, bin ich nach 8,5 km am Gevanim NightCamp. Vorher habe ich einige kräftige Anstiege bewältigen müssen. Hier begegnen mir Unmengen von Schülern, die hierher einen Schulausflug unternehmen und auch einige Berge hinaufschnaufen müssen, teilweise mit nicht ganz ungefährlichen Aufstiegen. Ich schaue auf das Gevanim NC hinab. Hier stehen einige Busse, Zelte sind aufgeschlagen und Jeeps versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich, teilweise mit letzter Kraft an einer steilen Piste. Hier soll also irgendwo mein Wasser liegen. Ich schalte wieder die Radar-App ein und sie führt mich zu einem Graben, nicht etwa zu irgendwelchen Sträuchern. Ich lande genau an einem alten Fass, das man hier vergessen hat und das vor sich hingammelt, aber nirgends Wasserflaschen. Dann schaue ich mir das Fass genauer an, es ist aufgeschnitten und hat einen abnehmbaren Deckel. Ganz schön klever!
Ich öffne den Deckel und siehe da, da sind ja die Wasserflaschen drin, eine Punktlandung! Ich nehmen 2 l Wasser von Haim Bergers Watercache und setze meinen Weg in Richtung Mizpe Ramon fort. Es ist in der Tat nicht sehr schön auf dem Gevanim NC und ich bin sehr froh, dass ich hier nicht übernachtet habe.
Es ist sehr warm geworden und es fällt mir heute schwer. Mir tun meine Muskeln ziemlich weh und fast muss ich sagen, ich schleppe mich mehr, als ich wirklich schreite!
Bis zur Mitzpe Ramon sind es noch gut 20 km, mit zumindest am Schluss einem sehr sehr steilen Anstieg.
Der Weg von Gevanim NC führt zur Route 40 und so stehe ich um 12:00 Uhr mit meinem inneren Schweinehund in einem schweren Kampf: Laufe ich weiter und übernachte abermals außerhalb oder hebe ich den Daumen und trampe zur Mitzpe Ramon.
Nach einem kurzen Abstecher in Richtung Ramon Krater kehre ich dann doch wieder zur Straße zurück und trampe zur Mitzpe Ramon. Ich muss etwa eine halbe Stunde stehen, bis mich ein sehr netter Israeli bis nach Mitzpe Ramon mitnimmt. So bin ich gegen 15:00 Uhr wieder am Spice Quarter Inn Hostel, wo ich am Freitag vor zwei Wochen schon Mal gestrandet bin.
Dass die Entscheidung nach Mitzpe Ramon zu trampen die richtige war, sollte sich in der darauffolgenden Nacht beweisen. Es regnet wie aus Kannen und ist plötzlich eiskalt geworden!
Ein Glück, dass ich auf den inneren Schweinehund gehört habe. Aber erstmal genieße ich den heißen Strahl der Dusche auf meiner Haut. Dann lasse ich mir eine Portion leckerer Shakshuka servieren. Anschließend mache ich mich auf den Weg zum Visitors Center, das aber leider schon geschlossen hat und kaufe anschließend ein paar Geschenke für Martin und Iris ein. Dann esse ich nebenan lecker zu Abend und gehe zurück zu meinem Hostel. Es ist zwischenzeitlich sehr stürmisch und kalt geworden. Ich trinke noch ein Bier und gehe nicht zu spät ins Bett. https://youtu.be/Rsc4bZVhq-8

Tag 15, Mi: 19.02., Erster Tag ohne Shvil! Sightseeing in Mitzpe Ramon

Ich habe gut geschlafen! Mal nicht auf Luftmatratze und Schlafsack im Freien, sondern im Warmen, unter dem Dach des Spice Quarter Inn Hostels und das war gut so, denn heute Nacht hat es heftig geregnet und es hat einen solchen Temperatursturz gegeben, dass ich heute mit Mütze, Daunenjacke und Handschuhen herumlaufe. Nicht wirklich erbaulich mir vorzustellen, ich hätte draußen geschlafen, so wie es zwangsläufig der Plan gewesen wäre, wenn ich gestern nicht dem inneren Schweinehund gefolgt wäre und zu Fuß durch den Ramon Krater zur Mitzpe Ramon gelaufen wäre.
Das mit dem Frühstück gestaltet sich etwas zäh, ich warte fast eine Stunde und erinnere mich an den Ausspruch eines Arabers, voriges Jahr, in Jerusalem: „Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit“. Und da ich keinen unmittelbar straffen Termin habe, lasse ich es geschehen und habe schließlich gegen 09:00 Uhr mein Frühstück. Ich verlängere meinen Aufenthalt im Spice Quarter Inn um eine weitere Nacht und buche für Donnerstag bis Sonntag mein Quartier im Postel Hostel in Tel Aviv. Dann mache ich mich in Daunenjacke, mit Mütze und Handschuhen auf den Weg in das Visitors Center.
Es ist ein ganz ungewöhnliches Gefühl, keinen Rucksack auf den Schultern zu tragen und mehrmals hebe ich die Schultern, so als könnte ich es noch gar nicht glauben, aber da ist nichts, was meinen Schwerpunkt plötzlich zur Seite verlagert oder mich zurückdrückt.
Ich bin kurz vor 10:00 Uhr im Visitors Center und habe eine Englische Führung um 10:30 Uhr, sodass ich die Zeit bis dahin nutzen kann, um meine Tagebuchaufzeichnungen zu vervollständigen. Das Visitors Center ist interessant gestaltet. Zur einen Hälfte dem Israelischen Astronauten Ramon gewidmet, der 2003 beim Absturz der Columbia Raumfähre ums Leben kam. Die andere Hälfte ist dem Ramon Krater gewidmet. Als ich fertig bin mit dem Rundgang, regnet es gerade in Strömen. Ich gehe noch einen Kaffee trinken und erkundige mich bei der netten Visitors Center Aufsicht, was man hier im Ort noch besichtigen kann. Da ist ganz in der Nähe meines Hostels ein kleines In-Viertel, mit ein paar Ausstellungen, einer Parfüm-Manufaktur und diversen kleinen Kneipen. In einer der Kneipen, bei einem russischen Israeli esse ich für 50 NIS ein Homemade Menü. Es schmeckt sehr lecker. Plötzlich stehen hier auch Tobias und seine Frau aus Pforzheim in der Gaststätte, die ich am Vardit Canyon getroffen habe. Sie sagt, dass sie froh sei, mich hier gesund zu sehen, da sie sich schon ein bisschen Sorgen gemacht hätte, mich da alleine zurück zu lassen. Ich freue mich darüber. Dann gehe ich zurück ins Spice Quarter Inn und treffe hier Alberto einen 73 jährigen Schweizer, der den Shvil jetzt bereits zum dritten Mal läuft und einen sehr fitten Eindruck auf mich macht. Das lässt mich für meine Zukunft hoffen! Wir unterhalten uns sehr angenehm und angeregt über Gott und die Welt und natürlich auch über den Shvil. Er sagt mir, dass es bis Arad wohl noch einige recht herausfordernde Kletterstellen gibt.
Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit, dass ich den Shvil Israel bis hierher laufen durfte und vor allem, dass mir bei den Klettereien nichts passiert ist!
Jetzt ist es kurz vor 21:00 Uhr, ich liege geduscht in meinem „Bett“. Morgen früh geht es nach Tel Aviv und am Sonntag zurück nach Frankfurt. https://youtu.be/KAuFTY9XXrg

Tag 16, Do: 20.02., Zweiter Tag ohne Shvil! Rückfahrt nach Tel Aviv

Ich habe bis kurz nach Mitternacht gut geschlafen, dann kam eine ganze Gruppe ziemlich rücksichtsloser junger Männer, die glaubten, dass sie hier alleine seien. Mit dem Schlafen war es erstmal vorbei. Das Matratzenlager ist doch ziemlich hart, bzw die Matratze ziemlich durchgelegen, auf jeden Fall tun mir alle Knochen so etwas von weh, mehr noch, als sie mir während des Wanderns auf dem Shvil wehgetan haben – Nachwirkungen!
Um 06:30 Uhr stehe ich schließlich auf, packe meine Sachen zusammen und bin kurz vor 07:00 Uhr abmarschbereit. Gerade als ich los will, kommt auch Alberto mit Sack und Pack. Wir verabschieden uns, er in Richtung Shvil, ich in Richtung Heimat.
Ob wir uns nochmal treffen? Ich würde mich freuen, ist ein netter und interessanter Typ. Auf jeden Fall wünsche ich ihm alles Gute auf dem Shvil und weiterhin noch so viel Fitness!
Dann gehe ich zur Bushaltestelle und sitze 5 Minuten später im Bus, der mich nach Be’er Sheva bringt. Die Wolken hängen tief und immer wieder muss der Busfahrer die Scheibenwischer anmachen. Nach gut einer Stunde sind wir in Be’er Sheva, mir ist es hier mittlerweile alles ziemlich vertraut. Da ein Anschluss-Bus nach Tel Aviv keine 10 Minuten später hier abfährt, suche ich gar nicht erst an der Trainstation nach einem Anschlusszug nach Tel Aviv.
Trotz starken Verkehrs kommt der Bus ganz gut nach Tel Aviv durch und ich bin bereits gegen 12:00 Uhr in meinem Quartier, dem Postel Hostel in Tel Aviv, wo ich nur kurz mein Gepäck abstelle und anschließend mit dem Zug nach Jerusalem fahre.
Jerusalem und Tel Aviv sind für mich zwei soetwas von verschiedene Städte, wie sie unterschiedlicher nicht sein können! Jerusalem erscheint mir altehrwürdig und ein stückweit eng, sehr mit unserer religiösen Tradition verknüpft. Tel Aviv, insbesondere Old Yaffa, weitläufig, jung modern und lebendig, lebenslustig!
Mein Gepäck, das ich vor fast zwei Wochen in Eilat zum Zwischenparken im Paulushaus in Jerusalem aufgegeben habe, ist dort noch immer nicht angekommen. Hoffen wir mal, dass ich es nicht als Verlust abschreiben muss, das wäre schon ziemlich ärgerlich. Ich laufe durch den Souk von Jerusalem, folge fast traumwandlerisch den Wegen, die ich voriges Jahr nach Ankunft von meiner Pilgerreise gegangen bin. Dann gehe ich abseits etwas essen und begebe mich dann wieder zurück zur neuen und sehr modernen Trainstation.
Dass hier überall Bewaffnete mit Maschinenpistolen herumlaufen gehört in Israel zum Alltagsbild und irritiert auch mich nicht mehr, genauso wie die Sicherheitskontrollen und -schleusen beim Eintritt in größere Lokationen, z.B. die Trainstation.
Ein junger Jude mit Kippa auf dem Kopf ist mir beim Ticketkauf behilflich.
Mir ist hier in Israel die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute besonders aufgefallen!
Bevor ich in Tel Aviv in mein Quartier gehe, kaufe ich noch schnell etwas zum Abendbrot ein und bin schließlich so gegen 18:00 Uhr wieder im Postel Hostel.

Tag 17, Fr: 21.02., Dritter Tag ohne Shvil! Abhängen in Tel Aviv, Blog schreiben

Ich habe die Nacht ausgesprochen gut geschlafen. Es ist eben doch ein großer Unterschied zwischen hartem Matratzenlager mit rücksichtslosen Zeitgenossen und einem Zimmer mit einem ordentlichen Bett.
Gegen 09:00 Uhr stehe ich auf, frühstücke meine gestern Abend getätigten Einkäufe und bin so gegen 10:00 Uhr abmarschbereit, um mich ohne Ziel einfach so durch Old Yaffa treiben zu lassen. Das Wetter hat sich gebessert, es ist zwar kühl und windig, aber der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Ich bin aber froh, meine Daunenjacke an zu haben. Ich lenke meine Schritte in Richtung Old Yaffa Center, laufe am Uhrturm vorbei und komme schließlich in der Nähe des Ilana Goor Museums wieder zu dem Arabischen Restaurant, wo ich letztes Jahr schon einen echt auf Arabisch zubereiteten Kaffee getrunken habe. Ich wiederhole es, trinke auch noch einen frischgepressten Orangensaft und verweile hier für fast zwei Stunden. Dann bummele ich im wärmenden Sonnenschein hinunter zum Hafen. Es ist ein buntes Treiben hier.
Gegen 15:00 Uhr bin ich wieder in meinem Quartier und beginne meinen Blog zu schreiben.

Tag 18, Sa: 22.02., Vierter Tag ohne Shvil! Abschied nehmen von Tel Aviv

Heute ist mein letzter Tag in Israel. Ich habe die Nacht nicht so gut geschlafen, weil bis gegen 3 Uhr Party direkt vor meinem Fenster war, aber dafür bin ich auch in einem Hostel, mit vielen jungen Leuten abgestiegen und nicht in einem Hotel. Von daher passt das dann schon!
Ich bin dann aber noch mal eingeschlafen und habe bis gegen 9 Uhr geschlafen.
Heute geht es mir wieder besser. Ich fühle meine Muskel nicht mehr so schmerzhaft und fühle mich auch nicht so platt, wie noch gestern.
Gegen 11 Uhr mache ich mich auf den Weg, ziellos durch Tel Aviv zu schlendern. Dabei laufe ich an Punkten vorbei, an denen ich auch im letzten Jahr war, als ich von Deutschland nach Jerusalem gelaufen bin. Heute ist das Wetter nicht so schön wie gestern, es ist wolkig und ziemlich windig. Ich gehe zum Strand, das Meer ist sehr aufgewühlt. Dann gehe ich zum Carmel Markt. Heute ist Samstag, Sabbat, da ist der Markt und die meisten Geschäfte geschlossen. Ich laufe weiter auf der Allenbay Road und komme an der großen Synagoge vorbei. Sie ist offen und die jüdische Gemeinde ist dort versammelt und ißt gemeinsam zu Mittag. Dann laufe ich weiter in Richtung Rothschild Boulevard. Ich lasse meinen Schritten freien Lauf und schaue mir die Gegend an und nehme mit meiner GoPro die ein oder andere Videosequenz auf.
Das Wetter ist zwischenzeitlich etwas besser geworden.
Gegen 15 Uhr bin ich dann fast wieder zurück an meinem Quartier und trinke vorher noch in einer Gaststätte ein Bier. Dann gehe ich noch ein paar Dinge zum Mitnehmen einkaufen und anschließend zurück zum Postel Hostel, meine Sachen packen. Mittlerweile ist es 17:45 Uhr, die Sachen sind gepackt und ich bin so allmählich bereit, mich in ein paar Stunden auf den Weg zum Flughafen zu machen. Vorher will ich noch das Video von heute schneiden und auf YouTube hochladen. https://youtu.be/kA-Zs9WIEZ0

Tag 19, So: 23.02., Ich bin wohlbehalten wieder zurück in Deutschland gelandet, gerade eben, 09:54!

Übrigens letztes Jahr bin ich auch am 23. Februar wieder aus Israel zurück gekommen. Damals allerdings nach 290 Tagen! – Wenn ihr euch erinnern mögt!